Friedensnobelpreis an ICAN verliehen

Oslo, 6. Oktober 2017

The International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN)
© The International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN)

Bereits seit 10 Jahren ringen die Aktivist*innen der Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN – International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) um ein vertragliches Verbot von diesen Massenvernichtungswaffen. Ziel der 2007 bei der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags in Wien von der IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges und anderen Organisationen ins Leben gerufenen Kampagne ist es, ein weltweites Verbot von Atomwaffen zu erreichen. ICAN schreibt dazu auf seiner Website:

"The abolition of nuclear weapons is an urgent humanitarian necessity. Any use of nuclear weapons would have catastrophic consequences. No effective humanitarian response would be possible, and the effects of radiation on human beings would cause suffering and death many years after the initial explosion. Prohibiting and completely eliminating nuclear weapons is the only guarantee against their use." (ICAN)

Ein solches Abkommen wurde nun zwar am 7. Juli 2017 von den Vereinten Nationen in New York beschlossen, jedoch lediglich unter Zustimmung von 122 der 193 VN-Mitgliedsstaaten. Rund 70 Staaten, darunter die offiziellen Atommächte und einige der NATO-Staaten, auch Deutschland, haben dem Abkommen nicht zugestimmt. Das Ziel der Kampagne ist somit nicht erreicht. Mit der Auszeichnung durch die Jury in Oslo und dem verabschiedeten Abkommen bei den Vereinten Nationen ist jedoch ein weiterer, entscheidender Schritt getan, diesem Ziel etwas näher zu kommen und das Thema im Bewusstsein der Menschen wach zu halten. Auch Friedensbildung in Schulen kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Links zum Thema

http://www.icanw.org  (offizielle Website)
https://www.icanw.de  (ICAN Germany)

Unter  www.frieden-fragen.de, einem Internet-Angebot für Kinder, Eltern und Erzieher*innen, finden Sie einen kindgerecht aufbereiteten Artikel zum Thema "Was passiert in Nordkorea?", zur Einordnung der Raketentests und des Atomwaffenprogramms des dortigen Regimes.

 


Erschienen – Friedensgutachten 2017

Titelbild Friedensgutachten 2017
© Friedensgutachten

"Schwere Turbulenzen bestimmen die internationale Politik. Die Ansätze für eine kooperative Weltordnung erodieren, die globale Ungleichheit nimmt zu, Hoffnungen auf das Völkerrecht sind zurückgeworfen. Syrien steht für das Versagen der Staatengemeinschaft, Kriegsverbrechen und massenhafte Gräueltaten zu unterbinden. Annahmen im Westen, man könne mittels Militär Bürgerkriege eindämmen oder gar Demokratie erzwingen, haben sich nach den Erfahrungen in Afghanistan, im Irak und in Libyen verflüchtigt. Russland agiert in der Ukraine revisionistisch und führt in Syrien einen Krieg um den eigenen Großmachtstatus. Donald Trumps Wahl markiert eine Zäsur ins Ungewisse. Mit dem Motto "America first" verabschieden sich die USA von ihrer seit 1941 verfolgten Weltordnungspolitik und scheinen Protektionismus an die Stelle multilateraler Zusammenarbeit setzen zu wollen." (Friedensgutachten 2017)

Der diesjährige Schwerpunkt des Friedensgutachtens dreht sich um die Frage, "wie sich derartige Massenverbrechen verhindern lassen. Nach dem Ende des Systemkonflikts gewachsene Erwartungen an das Völkerrecht und eine kooperative Weltordnung haben sich nicht erfüllt, die nach 1989 gewachsene Bereitschaft zur internationalen Zusammenarbeit weicht einer neuen geopolitischen Mächtekonkurrenz. Russland verändert mit militärischer Gewalt seine Einflusssphäre; die USA verschreiben sich unter der Parole „America first“ eng gesteckten Eigeninteressen und wollen ihre militärische Überlegenheit forciert ausbauen. Dagegen steht die UN-Agenda 2030 für die Notwendigkeit und die Möglichkeit globaler ziviler Zusammenarbeit. Zu deren Gelingen können und müssen die Europäische Union und die deutsche Politik weit mehr als bisher beitragen." (aus dem Vorwort zum  Friedensgutachten 2017)

Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Jahrbuch für Friedens- und Konfliktforschung in der Bundesrepublik, in dem Beiträge von Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen erscheinen, die internationale Konfliktrealiäten aus friedensstrategischer Perspektive betrachten. Es erscheint seit 1987.

 

Hier  finden Sie didaktische Materialien zum Friedensgutachten 2016 - Fluchtursachen in den Fokus: Verantwortung übernehmen für die Sekundarstufe II

 


Erschienen – Jahrbuch Demokratiepädagogik 4

Friedenspädagogik und Demokratiepädagogik

Jahrbuch Demokratiepädagogik
© Wochenschau Verlag

"Kriege, politische Gewalt und Terrorismus beeinflussen den politischen Alltag. Langfristige Friedensstrategien sind gefragt. Diese müssen sich auf eine Erziehung für eine Kultur des Friedens stützen." (Klappentext)

"Das Jahrbuch Demokratiepädagogik Bd. 4 widmet sich der Friedenspädagogik und stellt Bezüge zur Demokratiepädagogik her. Es geht um grundlegende theoretische und empirische Fragen:  den Zusammenhang zwischen Friedenspädagogik und  Global Citizenship Education, ihre Verankerung im Bildungswesen, die Evaluation von Programmen  und Aspekten friedenspolitischer Haltung. Der praktische Teil thematisiert den Umgang mit dem extremistischen Salafismus, skizziert eine Schulpartnerschaft mit Afrika, wendet sich dem Kompromiss als politischer Größe zu und geht auf die Bedeutung von Erinnerungskulturen ein. Informationen zu Ländern und Regionen, aus der Zivilgesellschaft sowie Rezensionen runden den Band ab." (Klappentext)

In seinem Beitrag „Friedensbildung und -pädagogik: Strukturelle Verankerungen und Initiierung von Lernprozessen“ (S. 21 ff.), stellt Uli Jäger, Programmleiter für „Friedenspädagogik und Globales Lernen“ bei der Berghof Foundation in Tübingen, die Servicestelle Friedensbildung als ein erfolgversprechendes Beispiel für eine aus öffentlichen Mitteln geförderte (regionale) Infrastruktur für Friedenspädagogik vor.

http://www.wochenschau-verlag.de

 


Friedensgutachten 2016 mit didaktischen Materialien

Fluchtursachen in den Fokus: Verantwortung übernehmen

Friedensgutachten 2016
© Friedensgutachten

„Die Flüchtlingsproblematik spaltet Europa und die deutsche Gesellschaft. Großer Hilfsbereitschaft und Solidarität stehen wachsende Fremdenfeindlichkeit und nationalistische Abschottung gegenüber. Ist der Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts nur in guten Zeiten und nur für die Bürgerinnen und Bürger der EU da?“ (Klappentext)

In dieser Ausgabe des Friedensgutachtens untersuchen Wissenschaftler*innen die Defizite europäischer Einwanderungspolitik und die Gefährdung für das Friedensprojekt Europa.

Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Jahrbuch für Friedens- und Konfliktforschung in der Bundesrepublik, in dem Beiträge von Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen erscheinen, die internationale Konfliktrealiäten aus friedensstrategischer Perspektive betrachten. Es erscheint seit 1987.

www.friedensgutachten.de 

 

 

Hier  finden Sie didaktische Materialien zum Friedensgutachten 2016 für die Sekundarstufe II

 


Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs)

BMZ
© BMZ

Der Weltzukunftsvertrag, "Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung", wurde im September 2015 auf einem Gipfel der Vereinten Nationen von allen Mitgliedsstaaten verabschiedet. Die Agenda wurde unter breiter Beteiligung der Zivilgesellschaft in aller Welt entwickelt und stellt einen Meilenstein in der jüngeren Geschichte der Vereinten Nationen dar.

Mit der Agenda drückt die internationale Staatengemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Sie schafft die Grundlage dafür, weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten.

Das Kernstück der Agenda bildet ein Katalog aus 17 ergeizigen Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Die 17 SDGs berücksichtigen erstmals alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen. Die Ziele sind unteilbar und bedingen einander.

In seiner Rede am 1. Januar 2017 vor den Vereinten Nationen in New York forderte Antonio Guterres, der amtierende UN-Generalsekretär, alle Mitgliedsstaaten auf, Frieden als Ziel an die erste Stelle zu setzen: "On this New Year's Day, I ask all of you to join me in making one shared New Year's resolution: Let us resolve to put peace first." Zuvor ergab eine Umfrage unter den Mitgliedsstaaten insgesamt zehn Themen, die als die wichtigsten für einen nachhaltigen Entwicklungsprozess empfunden werden.

Der Agenda 2030 sind Fünf Kernbotschaften als handlungsleitende Prinzipien vorangestellt: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft.

Zu Ihrer Information:
Der DEAB e. V. - Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg lädt anlässlich der SDGs zu 17 Veranstaltungen zu den 17 Zielen ein. Begleitet wird dies von einer Wanderausstellung, die über den DEAB e. V. ausgeliehen werden kann - nähere  Informationen

 


gewaltfrei konkret - die Erkenntnisse einer erstaunlichen Studie von Erica Chenoweth und Maria J. Stephan

"Why Civil Resistance Works: The Strategic Logic of Nonviolent Conflict"

Leaflet zur Studie 2011 (Stefan Maaß)
© Leaflet zur Studie 2011 (Stefan Maaß)

Gewaltfreie Aufstände sind beinahe doppelt so erfolgreich wie bewaffnete Revolutionen – so lautet ein Ergebnis der von  Erica Chenoweth und  Maria J. Stephan 2011 veröffentlichten Studie „Why Civil Resistance Works: The Strategic Logic of Nonviolent Conflict“.

Stefan Maaß, Diakon und Mitarbeiter der  Arbeitsstelle Frieden der Evangelischen Landeskirche Baden hat die Studienergebnisse in einem  Leaflet (2013) anschaulich zusammengefasst.

Die Ergebnisse überraschten nicht nur die wissenschaftliche Community, sondern auch die Wissenschaftlerinnen selber. Bis dato hatten sie die in der Wissenschaft vorherrschende Auffassung geteilt, dass gewalttätige Strategien, wie Terrorismus, effizienter seien und Aufständische schneller und effektiver zum Ziel führten. Ihre Studie belegt nun das Gegenteil. Ein Zitat von Chenoweth und Stephan lautet:

„Aufständische, die behaupten, dass bewaffneter Widerstand notwendig ist, liegen wahrscheinlich immer falsch. In der Tat vermuten wir, dass viele Gruppen, die die Gewalt als letzte Zuflucht beanspruchen, möglicherweise niemals strategische gewaltfreie Aktionen angewendet haben, weil sie diese von vornherein als zu schwierig beurteilten.“


Für ihre Studie 2011 untersuchten Erica Chenoweth und Maria J. Stephan alle Aufstände und Revolutionen zwischen 1900 und 2006. Seitdem sind nun fünf Jahre vergangen und die Wissenschaftlerinnen haben ein Update ihrer Forschungsergebnisse veröffentlicht. Die zentralen Erkenntnisse lauten:

Gewaltfreie Kampagnen werden zunehmend Normalität. Obwohl sie jedoch zur Normalität geworden sind, sind die absoluten Erfolgsquoten für gewaltfreien Widerstand rückläufig. Dennoch sind gewaltfreie Kampagnen noch immer erfolgreicher wie Gewalt und bewaffnete Flügel von Bewegungen wirken sich eher nachteilig für die Ziele der gewaltfreien Bewegung aus.

Literatur auf einen Blick:

Das Buch zur Studie: „Why Civil Resistance Works: The Strategic Logic of Nonviolent Conflict“ von Erica Chenoweth und Maria J. Stephan, 2011 im Verlag Columbia University Press erschienen und unter ISBN 0231156820 erhältlich.

Ausführliche Zusammenfassung der Studie 2011: Maaß, Stefan (Aug. 2012)

Leaflet zur Studie 2011: Maaß, Stefan (Okt. 2013)

Zusammenfassung der Forschungsergebnisse 2016: Maaß, Stefan (Feb. 2016)

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Unterrichtsmaterialien

zur Friedensbildung

Allgemeine Materialien Friedensbildung

Hier  finden Sie ausgewählte themenübergreifende Materialien zur Friedensbildung. Dazu gehören u. a. Recherchehilfen, Hinweise auf Ausstellungen, Hintergrundliteratur sowie fächer- und themenübergreifende Unterrichtsmaterialien.

Unterrichtsmaterial

Frieden lernen interaktiv – Projektvorschlag für Schulen

Peace Counts School

Ein pädagogisches Begleitprogramm zur Ausstellung „Peace Counts. Die Erfolge der Friedensmacher“. Die Ausstellung zeigt Menschen, die in Konfliktregionen verfeindete Lager wieder zusammenbringen und dies mit Methoden der zivilen Konfliktbearbeitung. Bei Bedarf können Teamer*innen zur Durchführung des pädagogischen Angebotes über die Servicestelle angefragt werden.  weiter

Gewaltfreiheit bringt mehr

Maria J. Stephan - YouTube

Video - am 30. Okt. 2016 war die Wissenschaftlerin Maria J. Stephan in Karlsruhe zu Gast und sprach darüber, „Why Civil Resistance Works: The Strategic Logic of Nonviolent Conflict“ (Titel ihres Buches) zum Video