Verankerung von Friedensbildung in den Bildungsplänen 2016

Anfrage von Claudia Möller, Servicestelle Friedensbildung

Sachinformation vom Landesinstitut für Schulentwicklung zur Anfrage der Servicestelle Friedensbildung vom 17. November 2016

Gibt es eine Stärkung der Friedensbildung in den Bildungsplänen von 2016?

In den Bildungsplänen 2016 von Baden-Württemberg sind Bildungsstandards festgelegt, die über Kompetenzen das Unterrichtsgeschehen steuern. In den Kompetenzbeschreibungen ist die Zahl der konkreten inhaltlichen Festlegungen begrenzt, um den Schulen unter anderem einen Spielraum bei der Auswahl von Themen und Unterrichtsgegenständen einzuräumen. Das Thema „Friedensbildung“ spielt aber auf allen Ebenen der neuen Pläne eine wichtige Rolle, da die Erziehung der Jugend zur Friedensliebe generell ein wichtiges Ziel der Politischen Bildung im Sinne des Artikels 12 unserer Landesverfassung ist.
Dazu setzen die beiden Leitperspektiven Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV) und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) die zentralen Rahmenvorgaben. Diese sind – wie die anderen vier Leitperspektiven – fächerintegrativ und spiralcurricular in den Fachplänen verankert. Mit ihnen sollen Lernende befähigt werden, einen dialogorientierten, friedlichen Umgang mit unterschiedlichen Positionen bzw. Konflikten zu pflegen. Die Erziehung zur Toleranz zum Umgang mit Vielfalt ist damit auch ein Beitrag zur Menschenrechts- und Friedensbildung und zur Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft. Dies soll unter Beachtung der natürlichen Grenzen der Belastbarkeit des Erdsystems sowie dem Umgang mit wachsenden sozialen und globalen Ungerechtigkeiten geschehen. (vgl. Einführung in den Bildungsplan 2016 – Leitperspektiven)
Die Verankerung der genannten Leitperspektiven wird unter anderem durch folgende Begriffe konkretisiert:

•    Personale und gesellschaftliche Vielfalt
•    Wertorientiertes Handeln
•    Toleranz, Solidarität, Inklusion, Antidiskriminierung
•    Konfliktbewältigung und Interessensausgleich
•    Minderheitenschutz
•    Formen interkulturellen und interreligiösen Dialogs
•    Teilhabe, Mitwirkung, Mitbestimmung
•    Demokratiefähigkeit
•    Friedensstrategien

Aber auch auf der Ebene der einzelnen Fachpläne finden sich viele Anknüpfungspunkte zur Friedensbildung.

Im Fachplan Deutsch der Grundschule ist bei den prozessbezogenen Kompetenzen im Bereich Sprechen und Zuhören Folgendes genannt:
„Sie entwickeln und nutzen Gesprächsregeln und setzen Konfliktlösungsstrategien ein. […]
Die Schülerinnen und Schüler können Konflikte mit anderen diskutieren und klären.“

http://www.bildungsplaene-bw.de-Sprechen-und-Zuhören

In den Leitgedanken des Faches Sachunterricht heißt es zur Leitperspektive Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt (BTV): „Gegenseitiger Respekt, Achtung und Wertschätzung sowie die Fähigkeit, anderen Kulturen tolerant und vorurteilsfrei zu begegnen, gehören zu den übergreifenden Zielen des Sachunterrichts. […] In der Auseinandersetzung mit den Mitschülerinnen und Mitschülern erkennen und reflektieren die Kinder ihre eigene Meinung und Haltung und schärfen so ihr Bewusstsein für die eigene Identität. Der Sachunterricht vertritt einen dynamischen, weltoffenen Heimatbegriff.“

http://www.bildungsplaene-bw.de-Leitgedanken-zum-Kompetenzerwerb

Im Fachplan Gemeinschaftskunde des Gemeinsamen Bildungsplans für die Sekundarstufe I sind im Bereich der „Handlungskompetenz“ der prozessbezogenen Kompetenzen Ziele formuliert, die sich unmittelbar auf die Friedensbildung beziehen. Hier heißt es beispielsweise: „Die Schülerinnen und Schüler können Urteile, Entscheidungen und Interessen formulieren und vor anderen angemessen vertreten. Sie können Aushandlungsprozesse führen, Kompromisse schließen und Entscheidungen demokratisch treffen.“ Dies beinhaltet, dass „Schülerinnen und Schüler […] Regeln für ein rationales und gewaltfreies Austragen [sozialer, gesellschaftlicher und] politischer Konflikte einhalten“ können.

http://www.bildungsplaene-bw.de-Handlungskompetenz

In der „Gemeinsamen Erklärung zur Stärkung der Friedensbildung“ in den baden-württembergischen Schulen von 2014 wird ein sehr umfassender Friedensbegriff verwendet. Er beinhaltet ein „gewaltfreies Zusammenleben in der Schule und Gesellschaft“, eine „Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Formen von Gewalt, deren Ursachen und Entstehungsbedingungen“ und „Strategien gegen Gewalt“ sowie die Frage, „wie Menschen in ihrer Umgebung, in Deutschland und weltweit in Frieden zusammenleben können“.
Hier lassen sich eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten im Bildungsplan 2016 im Fach Gemeinschaftskunde finden. Genannt seien an dieser Stelle die Themenbereiche „Zusammenleben in sozialen Gruppen“, „Rechtliche Stellung des Jugendlichen und Rechtsordnung“ und „Frieden und Menschenrechte“.

http://www.bildungsplaene-bw.de-Gymnasium-Gemeinschaftskunde

Die Beispiele zeigen, dass Friedensbildung in den neuen Bildungsplänen von 2016 – insbesondere im Fach Gemeinschaftskunde – umfangreich verankert ist.


Die Erstellung der Bildungspläne ging einher mit einer Anhörungsphase, die vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten auch für die Zivilgesellschaft bot. Welche Rolle haben Eingaben speziell bei dem Thema Friedensbildung gespielt?

Während der Anhörungsphase haben die Bildungsplankommissionen Rückmeldungen zur noch intensiveren Verankerung der Friedensbildung erhalten, darunter auch zu einzelnen Fachbegriffen in den inhaltsbezogenen Standards von Gemeinschaftskunde. Diese wurden bei der Erstellung der Endfassung berücksichtigt. Damit ist die Friedenbildung noch pointierter im genannten Fachplan ausgewiesen.


Was ist der nächste entscheidende Schritt, um das friedensbildnerische Potential, das die Pläne offenkundig besitzen, auch tatsächlich in Schule und Unterricht umzusetzen?

Lehrerinnen und Lehrer werden für die Planung und Durchführung von Unterricht sowohl auf der Ebene der Unterrichtsmaterialien, als auch auf der Ebene der Fortbildung Unterstützung bekommen. Zum neuen Gemeinschaftskundeplan werden für jede Klassenstufe Beispielcurricula nach aktuellem Planungsstand auf der Bildungsplanplattform  http://www.bildungsplaene-bw.de  veröffentlicht. Die ZPGen der Lehrerfortbildung arbeiten momentan an weiteren Umsetzungshilfen, die auf dem Landesfortbildungsserver publiziert werden. Auch über die Bildungsplanplattform sollen diese Materialien künftig über Verlinkungen für die Nutzer zugänglich gemacht werden. Bei der Erstellung konkreter Unterrichtshilfen kann – neben anderen Institutionen – auch die Servicestelle Friedensbildung mitwirken.

Durch außerunterrichtliche und fächerverbindende Projekte an den Schulen können ebenfalls wichtige Impulse zur Entfaltung des friedensbildnerischen Potentials der Pläne gegeben werden. Externe Partner wie die Servicestelle Friedensbildung können dabei einen wichtigen Beitrag leisten.

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In diesem Jahr ist der neue Bildungsplan für die baden-württembergischen Schulen in Kraft getreten. Gelangen Sie hier auf die offizielle Website für alle Informationen rundum um die neuen Bildungspläne www.bildungsplaene-bw.de