Servicestelle Friedensbildung

Baden-Württemberg

 

10-jähriges Jubiläum der Servicestelle Friedensbildung

Am 30. September 2025 feierten zahlreiche Gäste aus den verschiedensten Bereichen im Stuttgarter Hospitalhof das zehnjährige Bestehen der Servicestelle Friedensbildung. Der Jubiläumstag bot ein lebendiges Bild davon, wie Friedensbildung in Baden-Württemberg heute gestaltet wird und welche Bedeutung sie in Zeiten gesellschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen hat. 

Der Nachmittag eröffnete vielfältige Möglichkeiten, die Arbeit der Servicestelle direkt zu erleben.

In der Zukunftslounge konnten Besucher:innen kreative Zukunftsszenarien entwerfen: positive Schlagzeilen für das Jahr 2030, Friedensobjekte der Zukunft oder persönliche Handabdrücke für den Frieden. Diese Mitmachstationen machten deutlich, wie Friedensbildung Gestaltungsmut stärkt und jungen Menschen zeigt, dass Zukunft formbar bleibt. Prof. Markus Gloe brachte diese Idee später am Abend im Festvortrag auf den Punkt, als er sagte:

 

 „Hoffnung entsteht dort, wo junge Menschen erleben, dass ihr Handeln Wirkung hat.“
 

Parallel dazu boten verschiedene Workshopräume Einblicke in die praktische Arbeit der Ser-vicestelle. Im Raum „Von Eseln und Eisbergen“ wurden friedenspädagogische Methoden für die Grundschule vorgestellt und die Frage beleuchtet, wie mit Kindern altersgerecht über Frieden, Konflikte und Krieg gesprochen werden kann.  

Der Workshop „Wie nah geht uns Nahost?“ zeigte am Beispiel des Israel-Palästina-Konflikts, wie globale Entwicklungen an weiterführenden Schulen thematisiert und mit einem multiperspektivischen Blick besprochen werden können. Beide Workshopeinblicke unterstrichen, wie Friedensbildung jungen Menschen Reflexionsräume schafft.   

Ein weiterer Höhepunkt des Nachmittags war die Living Library, in der sich Interessierte statt eines Buches einen Menschen ausleihen konnten. Friedensengagierte berichteten offen über ihre Erfahrungen, motivierenden Momente und Herausforderungen. Die Autorin Tete Loeper zeigte eindrucksvoll, wie persönliche Geschichten zu Brücken werden können und wie vielfältig Wege des Engagements aussehen.                                          

Am frühen Abend begann der Festakt im Elisabeth-und-Albrecht-Goes-Saal, eröffnet durch musikalische Beiträge aus den Modellschulen und von der Sängerin Amelie Schmädecke, alias Lilli A., Preisträgerin des Schülerwettbewerbs des Landtags Baden-Württemberg.                             

Anschließend begrüßte Sibylle Thelen, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, die Gäste. Kultusministerin Theresa Schopper hob in ihrem Grußwort die zentrale Rolle der Servicestelle hervor und sagte: 

 

„Die Servicestelle ist zu einem Ankerpunkt und einer Scharnierstelle für die Friedensbildung an unseren Schulen geworden.“ 

Gleichzeitig betonte sie, dass angesichts globaler Veränderungen und zunehmender Bedrohungen für demokratische Strukturen die Bedeutung der Friedensbildung weiterwachsen werde.                 

             

Der inhaltliche Schwerpunkt des Abends war der Vortrag von Prof. Markus Gloe zum Thema „Jugend in unsicheren Zeiten – Impulse für die Friedensbildung“. Darin machte er deutlich, dass Jugendliche heute in einer Realität aufwachsen, die von vielfältigen und sich überlagernden Krisen geprägt ist. „Die Generation, die heute aufwächst, erlebt Unsicherheit nicht als Ausnahme, sondern als Normalität“, so Gloe. Diese Unsicherheit, betonte er, brauche kein bloßes Management, sondern pädagogische Antworten, die jungen Menschen Orientierung geben und ihnen Handlungsspielräume eröffnen. Friedensbildung könne genau das leisten, indem sie 

 

„Räume schafft, in denen junge Menschen nicht nur mit Problemen konfrontiert werden, sondern auch mit Möglichkeiten – Räume, in denen sie lernen, Konflikte auszuhalten und zu gestalten und erfahren, dass ihr Handeln einen Unterschied machen kann.“ 

 

Dafür benötigten sie, wie Gloe hervorhob, Fähigkeiten wie „Ambiguitätstoleranz, Konfliktfähigkeit und Gestaltungsmut – nicht nur pädagogische Ziele, sondern demokratische Notwendigkeiten.“ Damit machte er deutlich, dass Jugendliche „nicht nur Sicherheit, sondern die Fähigkeit brauchen, Unsicherheit auszuhalten“ – eine Kernkompetenz, die Friedensbildung stärken und begleiten kann.

             

In der anschließenden Gesprächsrunde diskutierten Vertreter:innen der Modellschulen, der Friedensbewegung und der Friedensbildung darüber, wie diese Arbeit in Zeiten globaler Krisen weiter gestärkt werden kann. 

             

 

Die musikalischen Beiträge von Lilli A. verliehen dem Abend eine besondere Atmosphäre und schufen Raum für Nachklang und Reflexion. Beim abschließenden Get-together im Foyer nutzten die Gäste die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu vertiefen und gemeinsam auf zehn Jahre engagierte Friedensbildung in Baden-Württemberg anzustoßen. 


Der Abend machte spürbar, wie sehr die Servicestelle in den vergangenen Jahren zu einem Ort geworden ist, an dem Menschen zusammenkommen, um Frieden zu denken, zu lernen und zu gestalten. Oder, wie Markus Gloe zum Abschluss formulierte: 

 

„Frieden entsteht nicht irgendwo da draußen. Er entsteht hier – in unseren Schulen, in unseren Köpfen, in unseren Herzen.“
                   

             

Träger der Servicestelle Friedensbildung

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