Servicestelle Friedensbildung

Baden-Württemberg

 

Was ist Friedensbildung?

Krieg und Flucht, Konflikte und Gewalt, Terror und Radikalisierung, all dies sind Themen, die die Gesellschaft seit Monaten intensiv beschäftigen und ebenso Einzug halten in den Unterricht in unseren Schulen. Die Betroffenheit der Schüler:innen ist spürbar, sei es eine direkte oder indirekte. Hier setzt Friedensbildung an. Friedensbildung steht in der Tradition von Friedenspädagogik und Friedenserziehung. Die wissenschaftliche Disziplin Friedenspädagogik ist dabei verantwortlich für Theoriebildung und Entwicklung von Lernmodellen. Friedenserziehung hingegen meint die direkte pädagogische Arbeit (vgl. Gugel 2008: 62).

Friedensbildung ist politische Bildung und geht in ihrer Konzeption von Schule als einem der zentralen Lernorte innerhalb unserer Gesellschaft aus. Sie zielt darauf ab, „umfassende, ganzheitliche und am Leitwert Frieden orientierte Lernprozesse zu initiieren und zu begleiten“ (Jäger 2014: 5). Dabei geht es vor allem darum, „konstruktive Formen der Auseinandersetzung mit den zwischenmenschlichen Konflikt- und Gewaltpotentialen zu fördern und dadurch einen Beitrag zur Friedensfähigkeit von Menschen und Gruppen zu leisten“ (ebd.). Für die Beschäftigung mit Kriegen und Konflikten auf internationaler Ebene bedeutet dies z. B., dass sich Schüler:innen sowohl mit ziviler Konfliktbearbeitung als auch militärischen Mitteln der Intervention aktiv und kritisch beschäftigen. Friedensbildung bedeutet letztlich nicht nur politische Bildung, sondern auch „Persönlichkeits- bzw. Identitätsentwicklung“ (Jäger 2013: 167).

Friedensbildung weist offenkundige Schnittstellen zu bekannten und in der Praxis bereits erfolgreich angewandten Konzepten wie dem Globalen Lernen, der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und Programmen zur Gewaltprävention wie z. B. der Peer-Mediation und Schritte gegen Tritte auf (vgl. Jäger 2013: 167). Friedensbildung schließt all diese Konzepte mit ein. Sie schlägt einen Bogen von der individuellen Ebene, auf der Konzepte zur Gewaltprävention ansetzen, über die gesellschaftliche bis hin zur internationalen Ebene, mit der sich das Globale Lernen beschäftigt (vgl. Jäger 2014: 10).

Friedensbildung kann nie losgelöst vom jeweiligen gesellschaftlichen Kontext stattfinden und gelingen. So gab der renommierte Friedensforscher Dieter Senghaas bereits vor vielen Jahrzehnten zu bedenken: „Wie ist eine Erziehung zum Frieden in einer Welt organisierter Friedlosigkeit überhaupt denkbar und möglich?“ (Senghaas 1969: 258) Mit dieser Herausforderung sehen sich Lehrer:innen in der Gegenwart stärker denn je zuvor konfrontiert. Auch gilt es, „die scheinbar per se friedensstiftende Kraft der Bildung zu entmystifizieren“ (Seitz 2004: 49), denn Bildung kann durchaus instrumentalisiert werden, gewaltvolle Strukturen befördern anstatt sie abzubauen und Konflikte hervorrufen und verfestigen anstatt sie konstruktiv zu bearbeiten. Für die politische Bildung haben sich dafür die Grundsätze des  Beutelsbacher Konsenses etabliert.

Die Servicestelle Friedensbildung hat den Auftrag, Friedensbildung in diesem Sinne in den baden-württembergischen Schulen zu stärken, Lehrer:innen dafür zu qualifizieren, sie zu beraten und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung zu stellen.

Friedensstark - der Podcast über Friedensbildung von der Berghof Foundation

Wie thematisiert man Gewalt und Krieg an Schulen? Und wie geht ein friedliches Klassenzimmer? Was den besonderen Ansatz der Friedensbildung ausmacht, hören Sie im „Friedensstark“-Podcast. In fünf Folgen gehen renommierte Expert*innen auf die wichtigsten Fragen rund um Bildung und Frieden ein. 

Podcast "Friedensstark"

 

Was ist Friedensbildung? - Interview mit Prof. Uli Jäger

Was ist Friedensbildung?

In einem Interview mit Prof. Uli Jäger von der Berghof Foundation Tübingen spricht Larissa Berner, Fachreferentin der Servicestelle Friedensbildung.

Hier können Sie das Interview anhören:

Konzept & Umsetzung: 2021, Larissa Berner | © Servicestelle Friedensbildung

 

Was ist Frieden?

Was versteckt sich hinter dem Begriff "Frieden"?

Drei Videos geben einen Einblick in unterschiedliche Friedensverständnisse in Theorie und Praxis:

 

Literatur:

Gugel, Günther (2008): Was ist Friedenserziehung? In: Grasse, Renate/Gruber, Bettina/Gugel, Günther [Hrsg.]: Friedenspädagogik. Grundlagen, Praxisansätze, Perspektiven. Reinbek bei Hamburg: 61-82.

Jäger, Uli (2014): Friedenspädagogik und Konflikttransformation. Berghof Handbook for Conflict Transformation. Berghof Foundation, Berlin.  Hier online abrufbar (letzter Zugriff 17.04.2021) 

Jäger, Uli (2013): Zwischen Gewalterfahrung und Friedensstiftung. Aktuelle Herausforderungen der Friedenspädagogik und –bildung. In: Erwachsenenbildung, Vierteljahresschrift für Theorie und Praxis. 4/2013: 167-170.

Seitz, Klaus (2004): Bildung und Konflikt. Die Rolle von Bildung bei der Entstehung, Prävention und
Bewältigung gesellschaftlicher Krisen – Konsequenzen für die Entwicklungszusammenarbeit. Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Eschborn.  Hier online abrufbar (letzter Zugriff 17.01.2016)

Senghaas, Dieter (1969): Abschreckung und Frieden. Studien zur Kritik organisierter Friedlosigkeit. Frankfurt am Main.

Träger der Servicestelle Friedensbildung

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