SUDAN
Eine Konfliktanalyse aus friedenspädagogischer Sicht

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Wo? – Konfliktregion
Der Sudan ist ein großer Staat im Nordosten Afrikas. Im Sudan leben mit rund 47 Millionen Einwohner:innen ungefähr halb so viele Menschen wie in Deutschland, die Fläche der Republik ist jedoch mehr als fünf Mal so groß als jene der Bundesrepublik Deutschland.


Wer? – Konfliktparteien
Der Konflikt im Sudan ist ein innerstaatlicher Konflikt zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF, engl. „Sudanese Armed Forces“), unter General Abdel Fattah al-Burhan, und den paramilitärischen Kräften (RSF, engl. „Rapid Support Forces”) , unter General Mohamed Hamdan Daglo, bekannt als „Hemeti“. Sowohl die SAF als auch die RSF werden jeweils von mehreren kleineren bewaffneten Gruppierungen unterstützt, die teilweise Gebiete des Sudans kontrollieren.
Verschiedene ausländische Akteure nehmen Einfluss auf die Konfliktparteien und unterstützen diese, teilweise auch mit Waffenlieferungen. Ägypten, Iran und Russland stehen beispielsweise aufseiten der SAF, während die Vereinigten Arabischen Emirate und Libyen aktuell die RSF unterstützen. Sowohl al-Burhan als auch Hemeti haben in den Monaten vor dem Ausbruch der Gewalt auf diplomatischem Wege in den Nachbarländern um Unterstützung geworben.
Wer ist die RSF? Die RSF wurden vom damaligen Präsidenten al-Bashir als unabhängige Sicherheitskräfte im Jahr 2013 eingesetzt, um seine Macht zu sichern und gegen Aufständische vorzugehen. Diese paramilitärischen Kräfte gehen aus den „Dschand-schawid“ hervor, welche bereits im Jahr 2003 durch al-Bashir in der westsudanesischen Region Darfur zur Unterdrückung eines Aufstandes eingesetzt wurden.
Im Zuge des „Darfur-Kriegs“ kam es zu massiven Menschenrechtsverletzungen und Gewalt durch die Dschandschawid, die nach UN-Schätzungen in den Jahren 2003 - 2005 300.000 Menschen das Leben kostete. 2,5 Mio. Menschen wurden vertrieben. Der aktuelle Machthaber Hemeti schloss sich damals den Dschandschawid an, um sich Ressourcen und Macht zu sichern. Hemeti und die RSF wurden vom damaligen Machthaber al-Baschir für verschiedene, nicht legitime Zwecke eingesetzt, bis letztlich al-Bashir durch eben diese Kräfte abgesetzt wurde und Hemeti die Macht übernahm.
Seit des 2023 begonnenen Kriegs machten sich weitere Millionen Menschen auf die Flucht. Lauf UNHCR belaufen sich die Flüchtlingszahlen derzeit (Stand Jan. 2026) fast zwölf Millionen, darunter gut 7 Millionen Binnenflüchtlinge.Laut UN-Angaben sind im Land aktuell schätzungsweise 33,7 Millionen Menschen – d.h. rund zwei Drittel der Bevölkerung – auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Wann? – Zeittafel
Dezember 2018–Januar 2019: Massenproteste aufgrund steigender Lebensmittelpreise, Korruption und politischer Unterdrückung. Zusammenschluss Hunderter zivilgesellschaftlicher und politischer Organisationen zu den „Forces of Freedom and Change“ (FFC) zum gewaltlosen Widerstand gegen die Regierung.
11. April 2019: Militärputsch unter Beteiligung von Sicherheits- und Militäreliten der SAF und RSF und darauffolgend Absetzung des sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir, der eine verfassungswidrige dritte Amtszeit angestrebt hatte. Bildung eines Übergangsrats aus zivilen und militärischen Vertreter:innen zur Stabilisierung des Landes und zur Organisation von Wahlen im Jahr 2022. Ernennung von Abdala Hamdok als Premierminister der Übergangsregierung.
03. Juni 2019: Die Demonstrierenden drängen auf die Errichtung einer vollständig zivilen Regierung. Die Proteste in Khartum werden v.a. von der RSF gewaltsam niedergeschlagen. Es gibt Hunderte Tote und Verletzte.
17. August 2019: Die FFC und der Übergangsmilitärrat unterzeichnen unter internationaler Vermittlung eine Verfassungserklärung. Die Erklärung soll durch eine Übergangsphase zu einer zivilen und demokratischen Ordnung im Sudan führen. Die Verfassungserklärung enthält allerdings eine starke Machtposition des Militärs und wird als wenig inklusiv kritisiert.
03. Oktober 2020: Unterzeichnung des Friedensabkommens von Dschuba . Dabei wird u.a. allen regionalen Kräften eine Beteiligung an der künftigen sudanesischen Regierung und an verfassungsgebenden Prozessen zugesprochen. Das Abkommen wird zwar vom UN-Generalsekretär und der internationalen Gemeinschaft befürwortet, stößt jedoch auf Widerstand in der Zivilbevölkerung. Diese nehmen den Prozess als elitär wahr und möchten mehr beteiligt werden. Außerdem äußern sie Misstrauen gegenüber der Übergangsregierung, welche aus Personen besteht, die maßgeblich an früheren Konflikten beteiligt waren.
25. Oktober 2021: Gemeinsamer Militärputsch und Sturz des Premierministers Hamdoks durch SAF und RSF. SAF-General al-Burhan wird als De-facto-Machthaber eingesetzt. Festnahme ziviler politischer Führer, darunter Hamdok und hochrangiger Beamte der FFC. Darauffolgende Proteste gegen das Militärregime werden durch die Streitkräfte gewaltsam niedergeschlagen. Al-Burhan ver-kündet die Auflösung der zivilen politischen Institutionen und ruft den Ausnahmezustand aus.
05. Dezember 2022: Einigung auf ein Rahmenabkommen, welches Vereinbarungen über die Vergabe politischer Ämter zwischen al-Burhan und Hemeti beinhaltet sowie Wahlen nach zwei Jahren mit Übergang zu einer zivil-demokratischen Regierung vorsieht.
April 2023: Eskalationdes Konflikts, Krieg beginnt mit gewaltsamen Ausschreitungen und Kämpfen zwischen der SAF und RSF. Nach Jahren immer wiederkehrender gewaltsamer Auseinandersetzungen markiert diese Eskalation eine neue Ebene, in der Gewalt offen und direkt in der Hauptstadt Khartum ausgetragen wird. Die RSF erobert schnell Khartum sowie weitere Städte im Südosten des Sudans.
Februar 2025: Unter Führung der RSF wird die Sudan Founding Alliance („Taasis“), ein Zusammenschluss der RSF mit 23 Milizen und zivilen Organisationen, gegründet. Ziel der Sudan Founding Alliance ist es eine neue Regierung parallel zur SAF-Regierung aufzubauen.
März 2025:Rückeroberung Khartums durch die SAF. Die SAF kontrolliert den größten Teil des Nordens und Ostens des Sudans. Die RSF hingegen kontrolliert weiterhin den Süden und Osten.
Oktober 2025: Eroberung Al-Fashirs durch die RSF. Nach eineinhalbjähriger Belagerung nimmt die RSF-Miliz die Großstadt Al-Fashir im Westen des Landes ein. Die Stadt war die letzte große Stadt in der Region Darfur, die noch unter Kontrolle der SAF-Regierung war. Im Zuge der Eroberung gibt es Berichte über massive willkürliche Gewalt, Hinrichtungen von Zivilist:innen und ethnischer Gewalt durch die RSF.
Wie? – Mittel der Konfliktaustragung
Die RSF gilt als sehr mobile Truppe mit einer geschätzten Stärke von über 100.000, welche Guerillataktiken in städtischen Gebieten anwendet. Die SAF hingegen setzt mangels ausreichender Bodenstreitkräfte vor allem auf Angriffe aus der Luft sowie Panzer im Kampf gegen RSF-Stellungen ein. Beide Parteien versuchen wichtige Versorgungsleitungen und militärische Infrastruktur des Gegners zu zerstören. Bei den Kämpfen kommt es zudem immer wieder zu Angriffen gegen zivile Infrastruktur, einschließlich Märkten oder Krankenhäusern, wodurch bereits Hunderte Zivilist:innen getötet und Tausende vertrieben wurden. Es liegen zudem Berichte über den Einsatz von sexualisierter Gewalt und Repressionen sowie Angriffe gegen Journalist:innen und humanitäre Einsatzkräfte vor. Laut der UN gibt es in den von der RSF kontrollierten Gebieten Angriffe auf die Zivilbevölkerung aufgrund ihrer Hautfarbe gegen die Bevölkerungsgruppe der Masalit, außergerichtliche Hinrichtungen sowie Berichte über ethnische Säuberungen. Die UN warnte vor einem Genozid in der Region Darfur.
Der Zugang zum Internet und sozialen Medien ist je nach Region und je nach Ausmaß der lokalen Zerstörung eingeschränkt. In den aktuellen Auseinandersetzungen blockieren Protestierende immer wieder wichtige Transportkorridore, was von Sicherheitskräften mit Gewalt beantwortet wird. Der Krieg im Sudan hat das Land in eine der weltweit größten humanitären Krisen gestürzt. Über 60 Prozent der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, 14 Millionen Menschen wurden vertrieben. Mindestens 150.000 Menschen sind gestorben. Weite Teile der Bevölkerung sind von Hungersnot bedroht, nicht zuletzt, weil die RSF systematisch Ackerflächen niederbrennen. Insgesamt ist die lebenswichtige Infrastruktur im Sudan weitgehend zerstört und die medizinische Versorgung zusammengebrochen. Vom Krieg sind besonders Frauen und Mädchen betroffen. Sie machen einen Großteil der Vertriebenen aus und sind von weit verbreiteter sexueller Gewalt betroffen.
Warum? – Erklärungen für den Konflikt

Politische Macht und Einfluss (machtbasierter Erklärungsansatz)
Tausende Bürger:innen haben in den vergangenen Jahren, insbesondere in den Jahren 2019 und 2021, gegen Diktatur und Militärherrschaft sowie verübte Menschenrechtsverletzungen im Sudan protestiert, worauf der langjährige Machthaber al-Bashir mit Repressionen und Gewalt reagierte. Nach Sturz al-Bashirs konkurrierten verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Zielen um einen Platz in der neuen politischen Ordnung. Der durch den Militärputsch an die Macht gekommene General al-Burhan wollte die Interessen und die Vorherrschaft des Militärs sichern. Auf internationalen Druck hin versprach er, den Weg für eine zivile Regierung freizumachen und Wahlen im Jahr 2023 durchzuführen. Der politische Einfluss der Übergangsregierung blieb jedoch durch den Einfluss des Militärs begrenzt und der nationale Sicherheitsrat unter al-Burhan und Hemeti behielt u.a. die Kompetenz für Sicherheitsfragen im Land. In den darauffolgenden Jahren kam es im Zuge der Verhandlungen über das Friedensabkommen von Dschuba und den ausstehenden Transitionsprozessen immer wieder zu Konflikten zwischen den militärischen Eliten und den Eliten der zivilen FFC über den politischen Kurs und die Führungspositionen des Landes. Dadurch können die tiefgreifenden politischen und wirtschaftlichen Probleme des Sudans nicht gelöst werden. Instabilität, sicherheitspolitische Zersplitterung und politische Gewalt sind die Folge, insbesondere durch die SAF und RSF. Die (para-) militärischen Kräfte unter dem Anführer Hemeti streben nach Machterhalt bzw. Machtzuwachs. Sie wollen Kontrolle über das Land sowie den Zugang zu finanziellen Ressourcen (Bodenschätze wie Gold und Mineralien) sichern und so wirtschaftlichen Einfluss ausüben. Durch den Machterhalt wollen sie sich zudem vor juristischer Verfolgung ihrer verübten Menschenrechtsverletzungen, teilweise noch aus der Zeit des Darfur-Kriegs, schützen.
Die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen markieren letztlich einen Zusammenbruch des heiklen Machtgefüges[1] im Sudan, welches sich seit der Absetzung des ehemaligen Staatsoberhaupts Omar al-Bashir im April 2019 zwischen al-Burhan und Hemeti entwickelt hat und gipfeln in einem schweren Kampf um die Vorherrschaft im Sudan. Im Vorfeld der aktuellen Kämpfe gab es im Zuge des auf internationaler Ebene unterstützten Rahmenabkommens für eine zivile Regierung Streit über die Frage, wie die RSF in die sudanesische Armee integriert werden sollte und wer die Führung des neu konsolidierten Militärs übernehmen würde. Nach Ausbruch der Kämpfe teilte das sudanesische Außenministerium mit, dass al-Burhan nun die Auflösung der RSF anordnet und die Milizenkämpfer:innen als Aufständische einordnet. Diese Ereignisse spiegeln den Machtkampf um Positionen und Macht über die Kommandostruktur zwischen al-Burhan und Hemeti wider.
Ethnische und geographische Spaltung (kultureller Erklärungsansatz)
Im Sudan herrscht seit langem ein System von Ausbeutung, das auch unter der ehemaligen Kolonialherrschaft Großbritanniens betrieben wurde. Eliten im Zentrum des Landes verstehen sich als „arabisch“ und beuten die Peripherie des Landes aus, die von ihnen als „afrikanisch“ beschrieben wird. Die geschaffenen kulturellen Zuschreibungen und die Marginalisierung großer Teile der Bevölkerung spiegeln sich auch ungleichen Machtverteilungen wider.
Unter al-Baschir wurden nicht-muslimische Minderheiten im Sudan massiv unterdrückt und in der Macht- und Ressourcenverteilung benachteiligt, etwa durch eingeschränkten Zugang zu politischen Ämtern. Außerdem wurden in dem Anfang der 2000er Jahre durchgeführten Friedensprozess zwischen Nord- und Südsudan einige Regionen von der damit verbundenen Neuverteilung von Ressourcen und Macht ausgeschlossen. Dies führte zu mehreren Kriegen, darunter zum Bürgerkrieg in Darfur im Jahr 2003 zwischen Regierungstruppen und Rebellengruppen sowie zum Bürgerkrieg zwischen der Zentralregierung und der südsudanesischen Volksbefreiungsbewegung, welcher im Jahr 2011 in der Unabhängigkeit des Südsudans endete. Gleichzeitig brachen in den Regionen Südkordofan und Blauer Nil (Grenzregion zum Südsudan) Kämpfe aus, welche durch das Friedensabkommen (2020) mit Unterzeichnung der sudanesischen Übergangsregierung weitestgehend beigelegt werden konnten. Die Konflikte beinhalten somit auch immer strittige Fragen darüber wer an Friedensgesprächen teilnehmen darf und politische Anerkennung erfährt. Die regionale, ethnische oder interessensspezifische Fragmentierung der Bevölkerung und der kämpfenden Akteure erschwert die Beilegung.
Ressourcenknappheit und strukturelle Ungleichheit (ökonomischer Erklärungsansatz)
Die wirtschaftliche Lage im Sudan ist aktuell sehr fragil. Nach der Machtübernahme durch das Militär setzten internationale Geldgeber:innen das sudanesische Entschuldungsprogramm aus. Die Sudanes:innen leiden unter hohen Preisen aufgrund extremer Inflation, Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln[2] und Medikamenten sowie Extremwetterereignissen und Dürreperioden im Zuge des Klimawandels. Dies führt zu erheblicher Armut und lebensbedrohlichen Situationen, was die Unzufriedenheit und Proteste in der Zivilbevölkerung verstärkt. Zudem bestehen im Sudan große strukturelle Herausforderungen, wie desolate Infrastrukturen, ein niedriges Bildungsniveau und unzureichende Grundversorgungsleistungen, was die humanitäre Situation weiter anspannt. Gleichzeitig richten sich die Interessen der politischen Eliten des Landes am Zugang Ressourcen sowie an der Kontrolle über Rohstoffe[3] aus, um Eigeninteressen zu verfolgen – und weniger an den proklamierten politischen Zielen und dem Wohlergehen der Bevölkerung. Einnahmen werden vorwiegend in Waffen und militärische Ausrüstung investiert. Dies vertieft politische Spaltungen, verstärkt Korruption und erschwert die Beteiligung breiter Bevölkerungsgruppen an politischen Prozessen.
[1] Die Entwicklung der Beziehungsdynamik im Sudan ist besonders hervorzuheben: Hemeti wurde einst von al-Bashir unterstützt und für dessen Machterhalt eingesetzt, bis Hemeti ihn aufgrund eigener Machtinteressen und der breiten Protestbewegungen 2019 den Rücken kehrte und al-Bashir durch den Militärputsch abgesetzt wurde. Auch al-Burhan, welcher nach einem erneuten Putsch, dieses Mal gegen die Übergangsregierung, als Machthaber eingesetzt wurde, gilt als Ziehsohn al-Bashirs. Nun spielt sich im Sudan ein erneuter Machtkampf ab, dieses Mal zwischen den ehemaligen Verbündeten und Vertretern des nationalen Souveränitätsrats. Beide, al-Burhan und Hemeti, hatten nach dem Militärputsch im Jahr 2019 Kompetenzen für Sicherheitsfragen erhalten.
[2] Vor dem Krieg in der Ukraine importierte der Sudan über 80 Prozent seines Weizens aus Russland, weshalb der Sudan besonders stark von dem Krieg in der Ukraine und den damit einhergehenden Einschränkungen der Weizenexporte betroffen ist.
[3] v.a. Goldminen, Erdgas- und Erdölvorkommen. Das Militär hat gleichzeitig eine große wirtschaftliche Macht im Sudan, da es zentrale Unternehmen besitzt und diese durch politische Ämter von Steuern befreien kann.
Friedenspotenziale

Welche Friedensbemühungen gibt es bereits?
Im Rahmen der internationalen Friedensbemühungen wurde Ende des Jahres 2020 die Friedensmission UNITAMS (zuvor: UNAMID) zur Unterstützung des politischen Übergangs und zur Verbesserung der humanitären Situation im Sudan beschlossen. Das Engagement der UN richtet sich auf den gesamten Transitionsprozess und eine friedliche Entwicklung im gesamten Sudan. Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges 2023 konnte UNITAMS ihr Mandat kaum noch ausüben und die Tätigkeit wurde im Februar 2024 beendet. Ein UN-Länderteam, das humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe leistet, bleibt weiterhin im Land.
Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen im April 2023 hatten zahlreiche internationale Vertreter:innen zur Waffenruhe und Beilegung der Feindseligkeiten aufgerufen. UN-Generalsekretär Guterres hob damals die Dringlichkeit von humanitären Hilfskorridoren sowie den Zugang zu medizinischer Versorgung hervor. Auch die Afrikanische Union, die Europäische Union, die Arabische Liga sowie die „Quad for Sudan“ (USA, Großbritannien, Vereinigte Arabische Emirate und Saudi-Arabien) riefen zur Waffenruhe auf. Gleichzeitig sind verschiedene ausländische Mächte, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate in Unterstützung der RSF, Ägypten als Verbündeter der SAF, aber auch China und Russland, im Land aktiv sind und können aufgrund geopolitischer Interessen die Friedensverhandlungen erschweren.
Die Europäische Union hatte 2023 in Zusammenarbeit mit UNICEF und dem UN-Welternährungsprogramm eine humanitäre Luftbrücke von den Lagerhallen der UN in Dubai nach Port Sudan eingerichtet, um die Menschen im Sudan mit Wasser, sanitären Einrichtungen, Hygieneartikeln etc. zu versorgen. Zudem ist die EU einer der größten Geber für humanitäre Hilfe im Sudan und Unterstützerin von Friedensbemühungen.
Auch Deutschland stellt humanitäre Hilfe für Sudan bereit und unterstützt im Rahmen der Ent-wicklungszusammenarbeit Projekte zur Ernährungssicherung, Grundversorgung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung.
Auf lokaler Ebene konnten zeitweise erfolgreich Waffenstillstände zwischen der SAF und der RSF durch Gemeindeführer ausgehandelt werden, wodurch Hilfseinsätze durchgeführt werden konnten. Darunter in der Region Darfur, wo der Bedarf an humanitären Hilfsmitteln besonders hoch ist.
Bereits im Oktober 2023 bildete sich die Sudanesische Koordinierung der zivilen demokratischen Kräfte „Tagaddum“ (Fortschritt) die sich für Frieden und eine zivile Regierung im Sudan einsetzt. Angesichts der zunehmenden Eskalation des Krieges gelingt es der Allianz allerdings nicht Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Die sudanesische Zivilgesellschaft hat sich in Abwesenheit internationaler Lösungen zu einem zentralen Rettungsanker der sudanesischen Bevölkerung entwickelt. So helfen die Emergency Response Rooms, ein landesweites Netz aus lose verbundenen Gruppen, die aus der Oppositionsbewegung 2019 hervorgegangen sind, mit Informationen über Evakuierungsrouten und medizinischer Versorgung. Zudem gibt es Gruppen von Jugendlichen und Frauen, die sich für Frieden und einen Waffenstillstand einsetzen. Diese zivilgesellschaftlichen Akteure verfügen über große lokale Zustimmung und Legitimität und schaffen es durch lokales Engagement den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Sudan zu stärken und Missstände zwischen den Bevölkerungsgruppen zu adressieren.
Vermittlungsbemühungen, insbesondere der Regionalorganisation IGAD(Intergovernmental Authority on Development) sowie der Afrikanischen Union und der UN, führten zu einer Vielzahl von weitgehend erfolglosen Konfliktlösungsversuchen. Bei einer ersten Verhandlung am 11. Mai 2023 zwischen der SAF und der RSF im saudi-arabischen Dschidda konnte eine „Verpflichtungserklärung zum Schutz der Zivilbevölkerung des Sudans“ erzielt werden. Beide Konfliktparteien verpflichteten sich darin, humanitäre Hilfskorridore zu schaffen, die Versorgung mit Strom, Wasser und Lebens-mitteln zu sichern und den Abzug von Sicherheitskräften aus Krankenhäusern zu gewährleisten. Trotz der Verpflichtung wird diese bislang kaum eingehalten. Im März 2024 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine Resolution, in der ein sofortiges Ende der Gewalt im Sudan gefordert wurde. Wenige Tage später stimmte die SAF indirekten Verhandlungen mit der RSF unter Vermittlung Libyens und der Türkei zu. Die Verhandlungen wurden allerdings nach wenigen Tagen abgebrochen. Friedensgespräche im Februar 2024 und im August 2024 blieben ebenfalls erfolglos. Der Krieg im Sudan findet trotz der Schwere der humanitären Krise international kaum Aufmerksamkeit. Durch die Unterstützung der Konfliktparteien durch verschiedene Staaten verkompliziert sich die Suche nach Lösungen. Bemühungen für einen Waffenstillstand und Verhandlungen verlaufen daher aktuell stockend.

Welche Friedensansätze werden diskutiert?
Gespräche über (kurzzeitige) Waffenruhe verlaufen bislang erfolglos oder Vereinbarungen werden gebrochen. In der sudanesischen Konfliktgeschichte zeigt sich jedoch immer wieder, dass auf lokaler oder regionaler Ebene ausgehandelte Waffenstillstände zeitweise funktionieren. Die internationale Staatengemeinschaft versucht Druck auf die Konfliktparteien auszuüben und die Vermittlungen zu begleiten. Eine stärkere Beteiligung der sudanesischen Zivilbevölkerung und der FFC in international unterstützten Verhandlungen wird als wichtig angesehen. Friedensverhandlungen zwischen der SAF und der RSF gelten bislang als unwahrscheinlich. Beide Konfliktparteien verweigern derartige Gespräche und die SAF schließen eine Verhandlungslösung mit der RSF aus. Verhandelbar sei nur die Kapitulation der RSF. Bislang handelt es sich um einen innerstaatlichen Konflikt um die militärische Vorherrschaft im Sudan, jedoch hat der Konflikt das Potenzial (über-)regionale Dimensionen anzunehmen und die humanitäre Situation im Nordosten Afrikas weiter zu verschärfen.
Konfliktpartei: Sudanesische Streitkräfte (Sudanese Armed Forces, SAF)
Konfliktpartei: Sudanesische Streitkräfte (Sudanese Armed Forces, SAF)
Positionen
- Machterhalt
- politische Kontrolle
Interessen
- Machtsicherung
- Zugang und Kontrolle zu Ressourcen / Rohstoffen
Bedürfnisse
- Sicherheit
- Kontrolle
Konfliktpartei: Paramilitärische Kräfte (Rapid Support Forces, RSF)
Konfliktpartei: Paramilitärische Kräfte (Rapid Support Forces, RSF)
Positionen
- Machterhalt
- politische Kontrolle
Interessen
- Machtsicherung
- Zugang und Kontrolle zu Ressourcen / Rohstoffen
Bedürfnisse
- Sicherheit
- Kontrolle
Arbeitsblatt Konfliktzwiebel (leer)
Arbeitsblatt Konfliktzwiebel RSF (ausgefüllt)
Konfliktpartei: Zivilbevölkerung
Konfliktpartei: Zivilbevölkerung
Positionen
- Politikreformen
- Demokratisierung
Interessen
- Soziale, politische und wirtschaftliche Reformen
Bedürfnisse
- Überlebenssicherung
- Stabilität und Wohlstand im Land
- Zugang zu Bildung und Jobs
Arbeitsblatt Konfliktzwiebel (leer)
Arbeitsblatt Konfliktzwiebel Zivilbevölkerung (ausgefüllt)
Konfliktbaum Sudan
Konfliktbaum Sudan
Effekte und Auswirkungen
• Über 750 Tote und über 5.000 Verletzte (Stand Mai 2023)
• Über 700.000 Binnenvertriebene
• Mehr als 170.000 Menschen sind in Nachbarländer geflohen
• Menschenrechtsverletzungen
• Armut
• Humanitäre Notlage
• Zerstörung ziviler Infrastruktur
• Grundversorgung der Bevölkerung gefährdet
• Repression
• Gefahr der Destabilisierung der gesamten Region am Horn von Afrika
Kernproblem: Kampf um die Vorherrschaft im Sudan zwischen dem Militär und paramilitärischen Kräften
Konfliktursachen
• Politische Instabilität
• Schwache staatliche / demokratische Strukturen
• Kampf um Rohstoffe / Ressourcen
• Mangelhafte Aufarbeitung früherer Konflikte
• Klimawandel + Mangelversorgung (Lebensmittel, Wasser, u.ä.)
Literatur und Quellen
Literatur und Quellen
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2024): Sudan
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) (2021a): Südsudan
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) (2021b): Sudan-Darfur
- Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) (2023): Schwere Gefechte im Sudan: Aktuelle Situation.
- Bundeszentrale für politische Bildung (2024): Sudan
- Bundeszentrale für politische Bildung (2026): Krieg im Sudan
- Brooke Davies (2022): Sudan’s 2019 Constitutional Declaration. Its Impact on the Transition. International Institute for Democracy and Electoral Assistance
- Council on Foreign Relations (2025): Civil War in Sudan. Center for Preventive Action, Global Con-flict Tracker. Online unter: (27.05.2025).
- Dabanga Sudan (15.05.2023a): Nearly a million Sudanese now displaced by SAF-RSF clashes
- Dabanga Sudan (15.05.2023b): More than 100 people reported dead in new attacks on West Darfur capital
- Democracy in Africa (2025): Peace in Sudan: a fresh mediation effort is needed – how it could work
- Deutschlandfunk (21.04.2023): Bundeswehr bereitet Evakuierungseinsatz vor
- Deutschlandfunk (12.05.2023): Kriegsparteien unterzeichnen Vereinbarung für humanitäre Hilfe.
- Deutschlandfunk (14.05.2023): Andauernde Kämpfe vor Waffenstillstandsverhandlungen
- Deutschlandfunk (2025): Frieden liegt in weiter Ferne
- Deutsche Wirtschaftsnachrichten (16.05.2023): Ein Land versinkt im Chaos: Wird Sudan zum Schauplatz globaler Konflikte
- Deutsche Welle (2025a): Krieg im Sudan: Fakten und Hintergründe zum Konflikt
- Deutsche Welle (2025b): Sudan: Zwei Jahre Krieg und kein Ende in Sicht
- Europäische Kommission (10.05.2023): Sudan: EU startet humanitäre Luftbrücke zur Versorgung mit wichtigen Hilfsgütern.
- Freedom House (2022): The spread of non-violent action. The case of the 2018-2019 revolution in Sudan.
- International Crisis Group (2023). Podcast: The Horn
- International Rescue Committee (IRC) (2023). Kämpfe im Sudan: Was Sie über die Krise wissen müssen
- Konrad Adenauer Stiftung (2023): Länderbericht. Sudans Stabilitätssuche
- Konrad Adenauer Stiftung (2025): Länderbericht. Zwei Jahre Bürgerkrieg im Sudan
- Kurtz, Gerrit (2024): Power Relations in Sudan after the Fall of Bashir. Stiftung Wissenschaft und Politik
- Reuters (30.04.2023): Analysis: Sudan risks long conflict as entrenched rivals struggle for control
- Süddeutsche Zeitung (03.01.2022): Mohammad Hamdan Daglo
- Tagesschau (07.05.2023): Wie ausländische Mächte mitmischen.
- Tagesschau (08.05.2023): UN-Nothilfekoordinator zu Gesprächen eingetroffen
- Tagesschau (10.05.2023): EU richtet humanitäre Luftbrücke ein
- Tagesschau (2025): Krieg ohne Rücksicht auf Zivilisten
- The Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED) (29.10.2021): Appetite for Destruction: The Military Counter-Revolution in Sudan
- The Armed Conflict Location & Event Data Project (ACLED) (05.05.2023): Fact Sheet: Conflict Surges in Sudan
- The New Humanitarian (11.05.2023): Local ceasefires and disrupted aid: How Sudan’s conflict is impacting Darfur.
- The Organization for World Peace (27.05.2021): The Limitations of The Juba Peace Agreement in Implementing Systematic Security Sector Reform in Sudan
- United States Institute of Peace (2023): What’s Behind the Fighting in Sudan?.
- ZEIT Online (15.04.2023): Sudanesische Miliz vermeldet Einnahme von Präsidentenpalast in Khartum
Karten
- Karte 1: Landkarte Sudan. The World Factbook 2023. Washington, DC: Central Intelligence Agency, 2023
- Karte 2: Lagekarte Sudan The World Factbook 2023. Washington, DC: Central Intelligence Agency, 2023
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