Servicestelle Friedensbildung

Baden-Württemberg

 

ISRAEL - PALÄSTINA (NAHOST)

Eine Konfliktanalyse aus friedenspädagogischer Sicht

Hinweis:  Eine Überarbeitung der Analyse auf den aktuellen Stand von 2026 erfolgt in Kürze.


 

Wo? – Konfliktregion

Der flächenmäßig kleine Staat Israel sowie die Palästinensischen Autonomiegebiete liegen in Vorderasien, im so genannten „Nahen Osten" am östlichen Mittelmeer. Knapp zehn Millionen Einwohner:innen leben in Israel, knapp 5 Millionen in den Palästinensischen Autonomiegebieten, welche sich im Gazastreifen (kurz: Gaza) und im Westjordanand befinden. 

Wer? – Konfliktparteien

Der Konflikt besteht vor allem zwischen dem Staat Israel und verschiedenen palästinensischen Gruppen. Unter den palästinensischen Gruppen, die teilweise unterschiedliche Ziele verfolgen, gibt es Machtkämpfe. Die wichtigsten Gruppen sind die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) sowie die Terrororganisation Hamas. Weitere Akteure sind direkt und indirekt in den Konflikt involviert. So wird z.B. die Hamas immer wieder von der Terrororganisation Hisbollah aus dem Libanon durch Angriffe auf Israel unterstützt. Beide Gruppen erhalten finanzielle Unterstützung und Waffen aus dem Iran.

Die PLO vereint als politische Dachorganisation verschiedene palästinensische Gruppen. Die stärkste Gruppe ist die Fatah. Während die PLO in den ersten Jahren die Zerstörung Israels als Ziel hatte, anerkennt sie seit den Osloer Verträgen das Existenzrecht Israels. Die Hamas hingegen vertritt nach wie vor ein extremistisches, antisemitisches Weltbild. Viele ihrer Anführer bestreiten das Existenzrecht Israels und leugnen oder verharmlosen den Holocaust. Sowohl die PLO als auch die Hamas regieren in Teilen der Palästinensischen Autonomiegebiete. Der Gazastreifen wird von der Hamas und das Westjordanland von der Fatah regiert. Seit 2006 fanden jedoch keine nationalen Wahlen mehr statt. Zudem stehen die Gebiete seit 1967 unter israelischer Militärbesatzung.

Sowohl auf israelischer als auch palästinensischer Seite gibt es Gruppen, die an Frieden interessiert sind, aber auch extremistische Akteure, die den Konflikt verstärken. In der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft gibt es dabei unterschiedliche Meinungen. Ganz vereinfacht kann man sagen, dass die Jüdinnen und Juden in Israel sich Sicherheit vor Gewalt wünschen und alle Palästinenser:innen mehr Rechte und ein eigenes Land möchten.

Andere Staaten in der Region, aber auch die USA, Großbritannien und Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) sind ebenfalls in den Konflikt involviert. Die Rollen sind dabei sehr vielfältig und haben sich im Laufe der Zeit teils stark gewandelt. Zum Beispiel war Ägypten früher eine Kriegspartei. Heute hingegen hilft das Land bei den Vermittlungen. Mit dem Nachbarland Libanon hingegen bestehen die Spannungen weiterhin.

Wann? – Zeittafel

1917: Balfour-Deklaration
alfour-Deklaration des britischen Außenministers, in der eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ versprochen wird und, dass die Rechte von Araber:innen nicht beschnitten würden.

1947/1948: Teilung Palästinas und Unabhängigkeit des Staates Israels
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) beschließt die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat und die Internationalisierung Jerusalems. Für viele jüdische Menschen ist Israel ein Ort der Zuflucht und sie migrieren nach dem Holocaust und der Ermordung und Vertreibung von mehreren Millionen Jüdinnen und Juden in Europa in das Gebiet. Am 19. Mai 1948 wird die Unabhängigkeit des Staates Israels ausgerufen. Von der Palästinenserführung und vielen arabischen Staaten wird der Teilungsplan und die Staatsgründung Israels abgelehnt. Syrien, Libanon, Jordanien, Ägypten und Irak greifen das Land an. Es kommt zum ersten israelisch-arabischen Krieg. Viele Palästinenser:innen fliehen innerhalb Palästinas und nach Jordanien und in den Libanon. In den Nachbarländern leben sie fortan in Flüchtlingslagern und können nicht zurückzukehren.

1949: Kriegsende mit Israel als Sieger
Der Krieg endet mit dem militärischen Sieg Israels. Das Land vergrößert sein Staatsgebiet damit von 55 % auf 77 % des Gebiets, das 1948 von der UN aufgeteilt wurde.

1967–1991: Juni-Krieg
Ägypten ruft 1967 die Nachbarländer zur Vernichtung Israels auf. Israel greift daraufhin Ägypten an. Auch Jordanien und Syrien treten in den Juni-Krieg ein. Israel siegt nach sechs Tagen. Es besetzt auch die Golanhöhen an der Grenze zu Syrien, den Gazastreifen und das Westjordanland. Es folgen weitere Kriege (Jom-Kippur-Krieg 1973, Libanesischer Bürgerkrieg 1975-1990) sowie der gewaltsame Widerstand der Palästinenser:innen gegen die israelische Besatzung (genannt „Erste Intifada“, 1987-1993).

Juni-Krieg oder Sechs-Tage-Krieg? - Ein Krieg viele Namen

Es kommt immer wieder vor, dass ein Ereignis unterschiedlich benannt wird. Das hängt oft mit den verschiedenen Blickwinkeln der beteiligten Parteien zusammen. Beim Juni-Krieg wird auf israelischer Seite meist der Name „Sechs-Tage-Krieg“ verwendet, um den schnellen Sieg zu betonen. Diese Bezeichnung wurde im deutschsprachigen Raum an vielen Stellen übernommen. Bei den Palästinenser:innen ist der Begriff „Naksa“, arabisch für Rückschritt, gebräuchlich. Damit wird auf die Eroberung und anschließende Besetzung weiterer palästinensischer Gebiete hingewiesen, die im UN-Teilungsplan für die arabische Bevölkerung vorgesehen waren. Statt des militärischen Siegs Israels steht das Leiden der palästinensischen Zivilbevölkerung im Vordergrund. Mit der Bezeichnung Juni-Krieg sollen die Ereignisse des Juni 1967 umfassend beschrieben werden.

1993–1995: Oslo-Friedensabkommen
Die Abkommen Oslo I und Oslo II werden zwischen Israel und der PLO geschlossen. Israel gibt Teile des Westjordanlands an die Palästinenser:innen zurück. Kritische Fragen, etwa nach der Aufteilung Jerusalems, werden zunächst ausgeklammert. Dennoch kommt es zu Protesten und Ausschreitungen von Gegner:innen des Prozesses, die sich entweder gegen eine Anerkennung Israels oder einen Palästinensischen Staat stellen.

2000–2002: Scheitern der Friedensprozesse
Der Oslo-Friedensprozess scheitert im Camp David. Ein gewaltsamer Aufstand der Palästinenser:innen gegen die israelische Besatzung beginnt in Jerusalem (genannt „Zweite Intifada“). Die 2002 vorgestellte „Road Map“, bei der die USA, die EU und Russland als Vermittler für eine „Zwei-Staaten-Lösung“ auf Grundlage der Grenzen der UN-Resolution von 1947 einsetzen, wird nicht umgesetzt.

2005-2014: Andauernde Auseinandersetzungen zwischen Israel und Gaza
Auch nach Ende der Zweiten Intifada 2005 mit einem Waffenstillstand, kommt es immer wieder zu gewaltvollen Auseinandersetzungen (Erster, Zweiter und Dritter Israel Gaza-Konflikt: 2008-2009, 2012 und 2014).

2017-2021: US-Präsident Trump und die Diskussion um Jerusalem
US-Präsident Trump spricht von Jerusalem als der Hauptstadt Israels, obwohl der Status der Stadt international weiterhin ungeklärt ist und einen der zentralen Konfliktpunkte darstellt. 2018 wird die US-Botschaft in Jerusalem eröffnet. Das Ereignis ist von großen Protesten begleitet. Zwei Jahre später legen Trump und Israels Ministerpräsident Netanjahu einen Plan zur Zwei-Staaten-Lösung vor. Palästinensische Vertreter:innen wurden bewusst ausgeschlossen und lehnen folglich den Plan, der ihre Interessen nicht widerspiegelt, ab. Im Mai 2021 kommt es zu einer erneuten militärischen Eskalation im Konflikt.

2023-2024: Angriff der Terrororganisation Hamas und israelische Militäroffenisve
Hunderte Kämpfer:innen der Hamas dringen am 7. Oktober 2023 nach Israel ein und töten in einem Terroranschlag mehr als 1.200 Zivilist:innen. Zudem entführen sie über 240 Geiseln. Der israelische Staat reagiert mit einem groß angelegten Militäreinsatz und verhängt zweitweise eine Blockade, die die Lieferungen von Nahrungsmitteln, Wasser, Strom oder Benzin in den Gazastreifen verhindert. Die Kampfhandlungen und der Mangel an lebensnotwendigen Dingen führen zu einer gravierenden humanitären Notlage im Gazastreifen. Weltweit führen die Geschehnisse zu einer verstärkten gesellschaftlichen Spaltung. In vielen Ländern steigt die Gewalt gegen jüdische und muslimische Menschen.

Die Regierung Israels erklärt die Vernichtung der Hamas und die Befreiung der Geiseln als oberstes Ziel. Gleichzeitig sterben durch die Kampfhandlungen und die schwierige humanitäre Lage tausende Zivilist:innen im Gaza. Wohnungen, Schulen und Krankenhäuser sind zerstört. Viele Menschen müssen mehrfach fliehen. Es gibt kaum Schutz und die Palästinenser:innen können das Gebiet nicht verlassen. Die Hamas weigert sich alle Geiseln freizulassen und greift Israel weiter an. Je länger der Krieg geht, desto mehr Druck gibt es aus der internationalen Gemeinschaft. Es wird eine Waffenruhe gefordert, zum Beispiel von der UN, aber auch von Menschen in Israel. Es gibt Verhandlungen, jedoch sind diese schwierig und zunächst nicht erfolgreich. Es ist davon auszugehen, dass beide Seiten Kriegsverbrechen begehen und damit auch gegen internationales Recht verstoßen. Deshalb gibt es mehrere Verfahren an internationalen Gerichte.

2025-2026: Waffenruhe - dennoch vereinzelte Angriffe
Nach zwei Jahren Krieg zwischen Israel und der Hamas wird im Oktober 2025 eine Waffenruhe vereinbart, die sich jedoch als brüchig erweist. Es kommt dennoch vereinzelt zu gegenseitigen Angriffen mit Toten und Verletzten, dabei wird jeweils der gegnerischen Partei vorgeworfen, die Waffenruhe zuerst gebrochen zu haben.

In Verbindung mit dem Krieg im Gazastreifen und angesichts des im März 2026 neu ausgebrochenen Kriegs im Iran ist auch der Konflikt zwischen dem Iran und Israel und mit der Hisbollah im Libanon, die vom Iran unterstützt wird, wieder aufgeflammt und weiter eskaliert. Aufgrund des Konflikts mit der libanesischen Hisbollah-Miliz versetzt die Armee Israels Teile ihrer Truppen aus dem Gazastreifen an die Grenze zum Libanon.
Hier geht es zu den laufend aktualisierten Entwicklungen rund um den Angriff Israels und der USA auf den Iran 

Es handelt sich um eine überblickshafte Darstellung. Aufgrund der Aktualität der Ereignisse kann sich die Informationslage schnell verändern.

Wie? – Mittel der Konfliktaustragung

Der Konflikt ist von gewaltvollen Auseinandersetzungen geprägt.

•    Die PLO setzt seit den Osloer Abkommen in den 1990ern auf diplomatische Lösungen. Zuvor hatte sie Attentate, Geiselnahmen sowie Flugzeugentführungen ausgeführt und war im bewaffneten Untergrundkampf aktiv.
•    Die Hamas setzt auf Raketenangriffe und terroristische Anschläge – auch auf zivile Ziele. Beim Angriff am 7. Oktober 2023 nutzte die Hamas Raketen und drang zeitgleich mit Hunderten bewaffneten Kämpfern nach Israel ein. Sie zerstören Dörfer und töten deren Einwohner:innen sowie Besuchende eines Musikfestivals in Grenznähe. Zudem werden hunderte Geiseln genommen und nach Gaza entführt.
•    Das israelische Militär ging in den letzten Jahrzehnten vor allem mit Luftangriffen, aber auch mit Bodenoffensiven vor. Gleichzeitig war der Staat Israel immer wieder auch an politischen Verhandlungen mit der PLO und internationalen Akteuren beteiligt. Als Besatzungsmacht bestimmt Israel seit 1967 auch durch die Kontrolle von Grenzübergängen sowie die illegale Siedlungspolitik den Alltag der Palästinenser:innen. Auf die Angriffe der Hamas reagiert Israel mit Raketen- und Bombenangriffen und schickt Bodentruppen nach Gaza.
•    Extremistische israelische Siedler:innen in den völkerrechtswidrigen Siedlungen im Westjordanland verüben immer wieder Gewalt gegenüber den dort lebenden Palästinenser:innen. Dazu gehört z.B. die Verwüstung von Häusern, das Stehlen von Vieh, das Unterbrechen der Wasserversorgung oder Vertreibungen und Ermordungen. Auch umgekehrt gibt es Gewalt von Palästinenser:innen gegenüber den Siedler:innen. Israelische Menschenrechtler:innen und internationale Organisationen werfen der israelischen Regierung vor die Gewalt der Siedler:innen nicht nur zu dulden, sondern auch aktiv daran beteiligt zu sein.
•    Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch kritisieren immer wieder, dass Akteure auf beide Seiten gegen Menschenrechte und Kriegsvölkerrecht verstoßen.
•    Mehrere internationale Gerichte befassen sich mit dem Konflikt. Südafrika hat Israel vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) wegen Völkermord verklagt. In einer Eilentscheidung verpflichtete der IGH Israel sofortige Maßnahmen zur Verhinderung eines Völkermordes an den Palästinenser:innen zu ergreifen und die Versorgung der Zivilbevölkerung zu verbessern. Die israelische Regierung sieht ihr Vorgehen durch das Recht auf Selbstverteidigung gedeckt. Das Verfahren läuft noch. Am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) hat der Chefankläger Haftbefehle für hohe israelische Politiker sowie Anführer der Hamas beantragt. Ihnen werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.
•    Sowohl auf israelischer als auch auf palästinensischer Seite gibt es zivilgesellschaftliche Gruppen, die sich für Dialog einsetzen und an friedlichen Lösungen arbeiten (siehe Beispiele im Abschnitt zu Friedenspotenzialen).

Warum? – Erklärungen für den Konflikt

Beim Nahost-Konflikt handelt es sich um einen komplexen politischen Konflikt, dessen Ursprünge zum Teil weit in die Vergangenheit reichen und der durch aktuelle Dynamiken fortlaufend befeuert wird.

Historische Narrative (kultureller und machtbasierter Erklärungsansatz)

Zentral für den Konflikt ist das historische Gebiet Palästina. Es umfasst die Region, in der sich heute der Staat Israel, der Gazastreifen, das Westjordanland, Teile Syriens, des Libanon und Jordaniens befinden.
Manche beginnen die Erzählung des Konflikts schon im Jahr 70 n- Chr. Damals zerstörten die Römer:innen den Tempel in Jerusalem und vertrieben die jüdische Bevölkerung. Viele Jahre später, Ende des 19. Jahrhunderts, formuliert der Schriftsteller Theodor Herzl die Zielsetzung, Juden und Jüdinnen in einem Staat zu vereinen, wo sie vor Verfolgung sicher sind. Diese Zielsetzung nennt man Zionismus. Es wurden verschiedene Orte in Betracht gezogen. Relevant für den heutigen Konflikt ist, dass die britische Kolonialmacht der zionistischen Bewegung eine „nationale Heimstätte“ im historischen Gebiet Palästina verspricht (siehe Balfour-Deklaration), dem Ort, an dem das Judentum ursprünglich entstand. Aber auch den dort lebenden Araber:innen wurde von den Briten ein Nationalstaat versprochen. Sowohl die jüdische Bevölkerung als auch die arabische Bevölkerung in Palästina sehen das Gebiet als ihre rechtmäßige Heimat an und erheben territorialen Anspruch. Der Konflikt spitzt sich zu, als im 19. Jahrhundert und zwischen den 1920er und 1940er Jahren die Zahl der Jüdinnen  und Juden wächst, die in das Gebiet kommen. Sie fliehen vor der Verfolgung in Europa und dem Holocaust. Politischer Zionismus und palästinensischer Nationalismus prallen aufeinander. Es kommt zu gewaltvollen Auseinandersetzungen. Hunderttausende Palästinenser:innen fliehen in den Gazastreifen, ins Westjordanland und die Nachbarländer. Bis heute wollen Teilen der damals geflüchteten Palästinenser:innen sowie deren Nachkommen in ihre Städte und Häuser zurückkehren. Die israelische Regierung lehnt dies ab. Seit 1948 vergrößerte der Staat Israel durch Kriege mehrfach sein Territorium und baut zudem auf palästinensischen Gebieten Siedlungen, die gegen internationales Völkerrecht verstoßen. Heute versucht die Hamas ihre Gewalt und Kriegsverbrechen zu rechtfertigen, indem sie von einem Befreiungskampf spricht.

Religiöse Identität (kultureller Erklärungsansatz)

Viele Gebiete, vor allem die Stadt Jerusalem, haben für Menschen jüdischen, muslimischen und christlichen Glaubens eine große religiöse Bedeutung. Die Grenzziehung und besonders die Zugehörigkeit Jerusalems stellen daher zentrale Konfliktpunkte dar und haben dazu beigetragen, dass eine Zwei-Staaten-Lösung bisher nicht möglich war. Beide Seiten nutzen die Religionsunterschiede auch zur Rechtfertigung gewaltsamer Handlungen.

Politische und wirtschaftliche Gründe (macht- und ressourcenbasierter Erklärungsansatz)

Die Palästinenser:innen unter israelischer Militärbesatzung und in Israel beklagen soziale und politische Benachteiligungen. Beispielsweise ist die Bewegungsfreiheit der Palästinenser:innen im Gazastreifen und Westjordanland durch die Militärbesatzung eingeschränkt. Das hat unteranderem zur Folge, dass auch gut ausgebildete Palästinenser:innen Jobs an anderen Orten nicht annehmen können und arbeitslos sind. Das israelische Militär kontrolliert zudem die Gütereinfuhr. Dinge, die für zivile aber auch für militärische Zwecke genutzt werden können, dürfen oft nicht eingeführt werden. Dadurch gibt es nicht genug Ersatzteile für Maschinen oder Düngemittel für die Landwirtschaft gibt. Wegen der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen ist zudem die Infrastruktur (Straßen, Energieversorgung, …) stark beeinträchtigt. All dies trägt dazu bei, dass in den palästinensischen Gebieten kaum wirtschaftliche Entwicklung möglich ist. Die Bevölkerung ist daher stark von externer Unterstützung abhängig. Die in Israel lebenden Palästinenser:innen haben im Vergleich einen höheren Lebensstandard. Jedoch liegt dieser immer noch unter dem der jüdischen Bevölkerung. Auch der Zugang zu Bildung ist schlechter.

Das Thema Wasser spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Konflikt, da Israel einen Großteil seines Wassers aus den gemeinsamen Grundwasserbecken bezieht, die sich unter Israel und dem Westjordanland befinden. Die ganze Region leidet unter extremer Wasserknappheit, die zu Konflikte und gewaltsamen Auseinandersetzungen um das Territorium beiträgt.

Die wirtschaftlichen Gründe sind nicht die Ursache für den Beginn des Konflikts, aber die genannten Punkte verstärken den Konflikt immer wieder. Beispielsweise macht es die schwierige wirtschaftliche Lage der Hamas leichter Unterstützer:innen zu finden.

Friedenspotenziale

Welche Friedensbemühungen gibt es bereits?

Staatlich und international

Es wurden zahlreiche Versuche unternommen, den langjährigen Konflikt zu beenden. Dabei haben verschiedene Akteure zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlichen Konstellationen versucht zu vermitteln. Beteiligt war unter anderem die UN, die Nachbarstaaten Ägypten und Jordanien, die USA, die EU sowie Russland. Trotz mehrerer Gipfeltreffen und Abkommen ist es nicht gelungen, die Gewalt dauerhaft einzudämmen und eine politische Lösung zu finden, die für beide Seiten zufriedenstellend ist (siehe z.B. UN-Teilungsplan, Osloer Friedensprozess und die „Road Map“ im Zeitstrahl).
Die beiden Parteien, die oft direkt miteinander verhandelt haben, sind die israelische Regierung und die PLO, welche 1974 von der UN als offizieller Repräsentant des palästinensischen Volkes anerkannt wurde. 2006 gewann die Hamas die Wahlen im Gaza-Streifen. Sie ist seither dort an der Macht. Anders als die PLO spricht sie Israel das Existenzrecht ab. Da die Hamas von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, gibt es mit der Gruppe nur wenige Verhandlungskanäle auf staatlicher Ebene. Eine wichtige Rolle spielen daher die Nachbarstaaten. Insbesondere Ägypten tritt als Vermittler zwischen Israel und der Hamas auf. Auch die Vermittlungsrolle von internationalen Organisationen wie der internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung ist in diesem Konflikt besonders wichtig. Sie ist beispielsweise auch bei Verhandlungen zu Geiselfreilassungen involviert und leistet auch im Bereich der humanitären Hilfe wichtige Unterstützung. Die UN fordert immer wieder einen sofortigen Waffenstillstand. Auch der UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich mit dem Thema.

Zivilgesellschaftlich

Es gibt verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für eine Verbesserung der israelisch-palästinensischen Beziehungen einsetzen. Sie versuchen Dialoge zwischen Israel:innen und Palästinenser:innen in den besetzten Gebieten zu fördern und Brücken zwischen den Kulturen und Religionen zu bauen sowie Menschenrechte zu fördern. Die Organisationen sind sowohl direkt in der Region als auch im Ausland aus der Diaspora  heraus aktiv. Internationale Akteure, wie beispielsweise auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), versuchen das Engagement zu unterstützen. Für die palästinensische Bevölkerung ist das Engagement von regionalen und internationalen humanitären Hilfsorganisationen überlebenswichtig. Sowohl die Hamas als auch die israelischen Behörden und Streitkräfte behindern immer wieder die Arbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Die Ausstellung Peace Counts berichtet von zivilgesellschaftlichen Initiativen in Konfliktgebieten. Eine Geschichte erzählt von der School of Peace, in der junge Jüdinnen und Juden und Palästinenser:innen lernen, ihre eigene Rolle im Konflikt anzuerkennen und zu reflektieren. Miteinander streiten ist dabei aber ausdrücklich erlaubt.  Die Organisation Breaking the Silence, die von ehemaligen israelischen Soldat:innen gegründet wurde, klärt die israelische Bevölkerung über den Alltag der Besatzung in den palästinensischen Gebieten auf, setzt sich für gleiche Rechte für Palästinenser:innen im Land ein, beschreibt die negativen Folgen, die Militäreinsätze auch für die israelische Bevölkerung haben und setzt sich für politische Lösungen des Konflikts ein.

Welche Friedensansätze werden diskutiert?

Als Friedensansätze werden verschiedene Versionen einer Ein-, Zwei und Drei-Staaten-Lösung diskutiert.

Die bisher am meisten verhandelte, aber bisher immer gescheiterte Option ist eine Zwei-Staaten-Lösung: ein Staat Israel und ein Staat Palästina. Über die genaue Grenzziehung und den Status der religiös wichtigen Stadt Jerusalem gibt es keine Einigung.

Eine andere Option wäre die Ein-Staaten-Lösung bestehend aus den Gebieten des heutigen Israel, des Gazastreifens und des Westjordanlandes, in dem die jüdische und die palästinensische Bevölkerung die gleichen Rechte und Pflichten in einem demokratischen und säkularen  Staat haben. Dem entgegen steht die Kernidee des Zionismus, der einen klar jüdischen Staat fordert sowie der Wunsch nach der Errichtung eines islamischen Staates vonseiten der Hamas. Daher wird oft bezweifelt, ob sich die Ein-Staaten-Lösung gut umsetzen lässt.

Alternativ sieht eine Version der Drei-Staaten-Lösung vor, dass neben dem Staat Israel mit dem Gazastreifen und dem Westjordanland zwei separate, eigenständige palästinensische Staaten entstehen. Diese Version orientiert sich daran, dass die beiden Gebiete auch heute schon von unterschiedlichen Gruppen kontrolliert werden. Eine andere Version der Drei-Staaten-Lösung sieht vor, das Westjordanland an Jordanien und den Gazastreifen an Ägypten zu übertragen. Die Varianten der Drei-Staaten-Lösung werden vor allem von Personen befürwortet, die die Zwei-Staaten-Lösung als gescheitert ansehen.
Insgesamt gibt es bisher für keine der Lösungen die Zustimmung aller Beteiligten. Alle Lösungen setzen einen friedensstiftenden Dialog zwischen den Gruppen voraus.

 

 

Konfliktpartei: Israel

Konfliktpartei: Israel

Positionen
-    Luftangriffe und militärische Operationen gegen den Gazastreifen dienen Selbstverteidigung
-    Israel ist ein jüdischer Staat mit Jerusalem als Hauptstadt
-    Siedlungsbau ist legal
Interessen
-    Vernichtung der Hamas
-    Sicherung eines jüdischen Staates
-     Dauerhafte Kontrolle palästinensischer Gebiete
-    Sicherheit vor Angriffen
Bedürfnisse
-    Sicherheit
-    Schutz und Überleben der eigenen Identität

Arbeitsblatt Konfliktzwiebel (leer)

Arbeitsblatt Konfliktzwiebel Israel (ausgefült)

Konfliktpartei: Palästinensische Autonomiegebiete

Konfliktpartei: Palästinensische Autonomiegebiete

Positionen
-    Ein säkularer Staat Palästina soll errichtet werden, mit Anspruch auf eigenes Staatsgebiet und Jerusalem als Hauptstadt
-    Israelische Besatzung und Siedlungspolitik in palästinensischen Gebieten sind rechtswidrig 
-    Legitime Vertretung des palästinensischen Volkes 
Interessen
-    Gewährleistung von Menschen- und Bürgerrechten für alle 
-    sichere Orte zum Leben
-     Repräsentation der Interessen möglichst aller palästinensischer Gruppen
-    internationale Anerkennung eines palästinensischen Staates 
Bedürfnisse
-    Versorgungssicherheit
-    Anerkennung als eigene Nation
-    Schutz vor Vertreibung und Gewalt
 

Arbeitsblatt Konfliktzwiebel (leer)

Arbeitsblatt Konfliktzwiebel Palästinensische Autonomiegebiete (ausgefüllt)

Konfliktpartei: Hamas

Konfliktpartei: Hamas

Positionen
-    Existenzrecht Israels und die Zwei-Staaten-Lösung werden abgelehnt
-    Gewalt an der israelischen Bevölkerung ist legitim
-    historisches Palästina muss befreit werden
-    israelische Annexion palästinensischer Gebiete ist rechtswidrig
Interessen
-    Vernichtung Israels
-    Sicherung der politischen Macht
-    Abzug Israels aus den palästinensischen Gebieten
-    Verbreitung von Angst in Israel
-    Errichtung eines islamischen Staates "Palästina"

Bedürfnisse
-    Selbstbestimmung
-    Versorungssicherheit

Arbeitsblatt Konfliktzwiebel (leer)

Arbeitsblatt Konfliktzwiebel Hamas (ausgefült)

Konfliktbaum Nahost-Konflikt

Konfliktbaum Nahost-Konflikt

Effekte und Auswirkungen

-    Angst
-    Flucht und Vertreibung
-    Entführung von Zivilist:innen
-    Zerstörung (ziviler) Infrastruktur 
-    schwierige humanitäre Lage im Gazastreifen
-    Diskriminierung und Unterdrückung
-    Tausende Tote und Verletzte

Kernproblem: Territorium; Feindbilkonstruktionen

Konfliktursachen

-    Ansprüche auf dasselbe Land
-    Religiöse Spannungen und Bedeutung der Gebiete, v.a. Jerusalem
-    Machtstreben
-    Wasserknappheit
-    soziale Ungerechtigkeiten

(vgl. Fisher et al., 2000: 29)

Arbeitsblatt Konfliktbaum (leer)

Arbeitsblatt Konfliktbaum (ausgefüllt)

 


 

Literatur und Quellen

Literatur und Quellen

Karten

  • Karte 1: Landkarte Israel​​​​​​​.UN via Wikimedia Commons
  • Karte 2: Lagekarte Israel. The World Factbook 2021. Washington, DC: Central Intelligence Agency, 2021

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