Aktuelles aus Politik und Wissenschaft
Mit Kindern über Krieg sprechen?
Grundgedanken aus der Friedensbildung

"In einer Zeit, die von Kriegen, sich überschneidenden Krisen und belastender Medienberichterstattung geprägt ist, wird vermehrt über Kriegstüchtigkeit diskutiert. Friedensbildung hingegen versucht, Räume zu schaffen, um über Friedenstüchtigkeit in Austausch zu kommen. Der folgende Beitrag bietet einen Einblick in die friedenspädagogische Praxis und den Umgang mit Kriegsangst von Kindern in Deutschland."
Auszug aus dem Artikel "Mit Kindern über Krieg sprechen? Grundgedanken aus der Friedensbildung" von Cora Bieß (Projektmanagerin bei Berghof Foundation im Bereich Friedensbildung, Referentin bei der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung) aus der ajs-Informationen 2/2024.
Der Artikel kann hier kostenlos als PDF heruntergeladen werden.
Friedensgutachten 2023
Noch lange kein Frieden

„Russlands Krieg gegen die Ukraine, Pandemie, Klimawandel und Extremwetterereignisse: Immer neue Krisen erschüttern die Gesellschaften weltweit. Zugleich steigt die Zahl der Gewaltkonflikte, an denen häufig nichtstaatliche, irreguläre Milizen und Rebellen beteiligt sind. Das Friedensgutachten 2023 zeigt auf, welche Handlungsspielräume die deutsche Politik nach der »Zeitenwende« in der Friedens- und Sicherheitspolitik hat. Zentrale Themen sind die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit im Globalen Süden angesichts multipler Krisen sowie die Entwicklung eines Ansatzes, Rüstungskontrolle neu zu denken und gegen Desinformationen zu schützen. Ebenso im Fokus stehen die kluge Gestaltung des Handels mit unbequemen Partnern, die Förderung von kooperativen Beziehungen und der Kampf gegen die Polarisierung demokratischer Gesellschaften." (Text von https://friedensgutachten.de)
Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Gutachten der deutschen Friedensforschungsinstitute (BICC / HSFK / IFSH / INEF) und erscheint seit 1987. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten untersuchen darin internationale Konflikte aus einer friedensstrategischen Perspektive und geben klare Empfehlungen für die Politik.
Das Friedensgutachten 2023 kann hier kostenlos als PDF heruntergeladen oder kostenpflichtig als Print bestellt werden.
Friedenslogik verstehen. Frieden hat man nicht, Frieden muss man machen
von Hanne-Margret Birckenbach

„Wie muss Frieden heute konzeptionell gedacht werden, damit ein gewaltfreier Konfliktaustrag nicht mit dem Streben nach Sicherheit kollidiert? Wie kann Frieden unter den Bedingungen einer politisierten und globalisierten Welt funktionieren?
Dieses Buch beschreibt das Konzept der Friedenslogik – ein alternatives Konzept zur Sicherheitslogik, bei der der Wille zum Frieden durch Rüstung und militärische Drohpotenziale erreicht wird. Sein Ziel ist es, eine verbreiterte Teilhabe zu ermöglichen, die Relevanz der Schlüsselkategorie Frieden für die Sicherheits- und Menschenrechtspolitik sowie die entwicklungspolitische Zusammenarbeit begreifbar zu machen und zur Anwendung der Prinzipien anzuregen." (Text von https://www.wochenschau-verlag.de/Friedenslogik-verstehen/41539)
Prof. Dr. Hanne-Margret Birckenbach, 1948 geboren, studierte Philosophie, Germanistik und Soziologie in Tübingen und Frankfurt/M., wurde in Politikwissenschaft an der FU Berlin promoviert, habilitierte in Soziologie mit dem Schwerpunkt Friedens-und Konfliktforschung in Bielefeld und ist ausgebildete Mediatorin. Sie arbeitete am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik Hamburg, an den Universitäten Kiel und Bremen und bis 2012 als Professorin für Europastudien und Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Gießen. Sie lebt jetzt in Hamburg und ist Trägerin des Göttinger Friedenspreises 2023.
Das Buch ist 2023 im Wochenschau-Verlag erschienen und z.B. hier bestellbar.
Friedensgutachten 2020
Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa

„Die Corona-Pandemie hält die Welt 2020 in Atem. Sie verschlingt ungeahnte Ressourcen und hat weitreichende politische Interventionen in das gesellschaftliche Zusammenleben zur Folge. Gerade in fragilen Weltregionen drohen sozioökonomische Verwerfungen und politische Unruhen. Eine globale Pandemie braucht globales Handeln, in der Reichweite und im Design. Der EU kommt dafür besondere Verantwortung zu. Wenn die derzeitigen Krisen kooperativ bewältigt werden, bietet dies auch Chancen für die Welt „danach“. Im Schatten der Pandemie sind zugleich andere Friedensgefährdungen aus dem Blick geraten oder verschärfen sich. Auch diese müssen im Blick behalten und bekämpft werden." (Text von https://friedensgutachten.de)
Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Gutachten der deutschen Friedensforschungsinstitute (BICC / HSFK / IFSH / INEF) und erscheint seit 1987. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten untersuchen darin internationale Konflikte aus einer friedensstrategischen Perspektive und geben klare Empfehlungen für die Politik.
Buch – Erziehung zur Friedensliebe. Annäherungen an ein Ziel aus der Landesverfassung Baden-Württemberg
Herausgegeben von Dr. Simon Meisch, Uli Jäger (M.A.), Dr. Thomas Nielebock
"Die Verfassung Baden-Württembergs nennt Friedensliebe als ein Ziel von Erziehung für die Schulen und Hochschulen. Worin liegen die Chancen, Möglichkeiten und Grenzen dieses ambitionierten Erziehungszieles? Der Band beleuchtet aus philosophischer, politikwissenschaftlicher und juristischer Perspektive die normativen Grundlagen des Friedensliebe-Begriffs. Historisch orientierte Beiträge weisen aus, dass und inwiefern es eine zivilisatorische Errungenschaft darstellt, die Liebe zum Frieden (und nicht zum Krieg) zum Erziehungsziel zu erklären. Der Umsetzung dieses Ziels im bestehenden Bildungssystem und den damit verbundenen Herausforderungen widmen sich Beiträge aus der pädagogischen Theorie und Praxis. Schließlich gilt es, die Möglichkeiten und Bedarfe zu benennen, um die Friedensliebe in der Bildung zu fördern. Die Antworten des Sammelbandes bieten über den Landeskontext hinaus grundsätzliche Einsichten in die Friedensbildung." (Nomos Shop)
Mit Beiträgen von
Prof. Dr. Karin Amos | Prof. Dr. Franziska Bertschy | Prof. Dr. Hanne-Margret Birckenbach | Jule Bode | Kaya Diehl | Fabian Fleischer | Prof. Dr. Norbert Frieters-Reermann | Prof. Dr. Ulrich Herrmann | Prof. Dr. Dr. Otfried Höffe | Uli Jäger, M.A. | Fabian Krämer | Prof. Dr. Christine David Künzli | Dr. Simon Meisch | Dr. Uta Müller | Dr. Thomas Nielebock | Eberhard Stilz | David Storz | Prof. Dr. Rainer Treptow | Jannik Weich | Prof. Dr. Jürgen Wertheimer | Prof. Dr. Wolfram Wette
Das Werk ist Teil der Reihe Ethik in der Nachhaltigkeitsforschung | Ethics of Sustainability Research, Band 4.
Leseprobe - Lesen hier den Beitrag von Uli Jäger (S. 325-343)
Artikel zum Buch erschienen am 12.04.2018 im © Schwäbisches Tagblatt GmbH "Wie der Frieden lernbar ist. Peace made in Tübingen: Ein Lehr- und Lesebuch über die Einlösung einer Forderung der Landesverfassung." Von Ulrike Pfeil
Zur Bestellung beim Nomos Verlag
Friedensnobelpreis an ICAN verliehen
Oslo, 6. Oktober 2017
Bereits seit 10 Jahren ringen die Aktivist*innen der Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN – International Campaign to Abolish Nuclear Weapons) um ein vertragliches Verbot von diesen Massenvernichtungswaffen. Ziel der 2007 bei der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags in Wien von der IPPNW – Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges und anderen Organisationen ins Leben gerufenen Kampagne ist es, ein weltweites Verbot von Atomwaffen zu erreichen. ICAN schreibt dazu auf seiner Website:
"The abolition of nuclear weapons is an urgent humanitarian necessity. Any use of nuclear weapons would have catastrophic consequences. No effective humanitarian response would be possible, and the effects of radiation on human beings would cause suffering and death many years after the initial explosion. Prohibiting and completely eliminating nuclear weapons is the only guarantee against their use." (ICAN)
Ein solches Abkommen wurde nun zwar am 7. Juli 2017 von den Vereinten Nationen in New York beschlossen, jedoch lediglich unter Zustimmung von 122 der 193 VN-Mitgliedsstaaten. Rund 70 Staaten, darunter die offiziellen Atommächte und einige der NATO-Staaten, auch Deutschland, haben dem Abkommen nicht zugestimmt. Das Ziel der Kampagne ist somit nicht erreicht. Mit der Auszeichnung durch die Jury in Oslo und dem verabschiedeten Abkommen bei den Vereinten Nationen ist jedoch ein weiterer, entscheidender Schritt getan, diesem Ziel etwas näher zu kommen und das Thema im Bewusstsein der Menschen wach zu halten. Auch Friedensbildung in Schulen kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.
Links zum Thema
http://www.icanw.org (offizielle Website)
https://www.icanw.de (ICAN Germany)
Unter www.frieden-fragen.de, einem Internet-Angebot für Kinder, Eltern und Erzieher*innen, finden Sie einen kindgerecht aufbereiteten Artikel zum Thema "Was passiert in Nordkorea?", zur Einordnung der Raketentests und des Atomwaffenprogramms des dortigen Regimes.
Jahrbuch Demokratiepädagogik 4
Friedenspädagogik und Demokratiepädagogik
"Kriege, politische Gewalt und Terrorismus beeinflussen den politischen Alltag. Langfristige Friedensstrategien sind gefragt. Diese müssen sich auf eine Erziehung für eine Kultur des Friedens stützen." (Klappentext)
"Das Jahrbuch Demokratiepädagogik Bd. 4 widmet sich der Friedenspädagogik und stellt Bezüge zur Demokratiepädagogik her. Es geht um grundlegende theoretische und empirische Fragen: den Zusammenhang zwischen Friedenspädagogik und Global Citizenship Education, ihre Verankerung im Bildungswesen, die Evaluation von Programmen und Aspekten friedenspolitischer Haltung. Der praktische Teil thematisiert den Umgang mit dem extremistischen Salafismus, skizziert eine Schulpartnerschaft mit Afrika, wendet sich dem Kompromiss als politischer Größe zu und geht auf die Bedeutung von Erinnerungskulturen ein. Informationen zu Ländern und Regionen, aus der Zivilgesellschaft sowie Rezensionen runden den Band ab." (Klappentext)
In seinem Beitrag „Friedensbildung und -pädagogik: Strukturelle Verankerungen und Initiierung von Lernprozessen“ (S. 21 ff.), stellt Uli Jäger, Programmleiter für „Friedenspädagogik und Globales Lernen“ bei der Berghof Foundation in Tübingen, die Servicestelle Friedensbildung als ein erfolgversprechendes Beispiel für eine aus öffentlichen Mitteln geförderte (regionale) Infrastruktur für Friedenspädagogik vor.
http://www.wochenschau-verlag.de
Friedensgutachten 2016 mit didaktischen Materialien
Fluchtursachen in den Fokus: Verantwortung übernehmen
„Die Flüchtlingsproblematik spaltet Europa und die deutsche Gesellschaft. Großer Hilfsbereitschaft und Solidarität stehen wachsende Fremdenfeindlichkeit und nationalistische Abschottung gegenüber. Ist der Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts nur in guten Zeiten und nur für die Bürgerinnen und Bürger der EU da?“ (Klappentext)
In dieser Ausgabe des Friedensgutachtens untersuchen Wissenschaftler*innen die Defizite europäischer Einwanderungspolitik und die Gefährdung für das Friedensprojekt Europa.
Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Jahrbuch für Friedens- und Konfliktforschung in der Bundesrepublik, in dem Beiträge von Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen erscheinen, die internationale Konfliktrealiäten aus friedensstrategischer Perspektive betrachten. Es erscheint seit 1987.
Hier finden Sie didaktische Materialien zum Friedensgutachten 2016 für die Sekundarstufe II
Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung
17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs)
Der Weltzukunftsvertrag, "Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung", wurde im September 2015 auf einem Gipfel der Vereinten Nationen von allen Mitgliedsstaaten verabschiedet. Die Agenda wurde unter breiter Beteiligung der Zivilgesellschaft in aller Welt entwickelt und stellt einen Meilenstein in der jüngeren Geschichte der Vereinten Nationen dar.
Mit der Agenda drückt die internationale Staatengemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Sie schafft die Grundlage dafür, weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten.
Das Kernstück der Agenda bildet ein Katalog aus 17 ergeizigen Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Die 17 SDGs berücksichtigen erstmals alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen. Die Ziele sind unteilbar und bedingen einander.
In seiner Rede am 1. Januar 2017 vor den Vereinten Nationen in New York forderte Antonio Guterres, der amtierende UN-Generalsekretär, alle Mitgliedsstaaten auf, Frieden als Ziel an die erste Stelle zu setzen: "On this New Year's Day, I ask all of you to join me in making one shared New Year's resolution: Let us resolve to put peace first." Zuvor ergab eine Umfrage unter den Mitgliedsstaaten insgesamt zehn Themen, die als die wichtigsten für einen nachhaltigen Entwicklungsprozess empfunden werden.
Der Agenda 2030 sind Fünf Kernbotschaften als handlungsleitende Prinzipien vorangestellt: Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft.
Zu Ihrer Information:
Der DEAB e. V. - Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg lädt anlässlich der SDGs zu 17 Veranstaltungen zu den 17 Zielen ein. Begleitet wird dies von einer Wanderausstellung, die über den DEAB e. V. ausgeliehen werden kann - nähere Informationen
gewaltfrei konkret - die Erkenntnisse einer erstaunlichen Studie von Erica Chenoweth und Maria J. Stephan
"Why Civil Resistance Works: The Strategic Logic of Nonviolent Conflict"
Gewaltfreie Aufstände sind beinahe doppelt so erfolgreich wie bewaffnete Revolutionen – so lautet ein Ergebnis der von Erica Chenoweth und Maria J. Stephan 2011 veröffentlichten Studie „Why Civil Resistance Works: The Strategic Logic of Nonviolent Conflict“.
Stefan Maaß, Diakon und Mitarbeiter der Arbeitsstelle Frieden der Evangelischen Landeskirche Baden hat die Studienergebnisse in einem Leaflet (2013) anschaulich zusammengefasst.
Die Ergebnisse überraschten nicht nur die wissenschaftliche Community, sondern auch die Wissenschaftlerinnen selber. Bis dato hatten sie die in der Wissenschaft vorherrschende Auffassung geteilt, dass gewalttätige Strategien, wie Terrorismus, effizienter seien und Aufständische schneller und effektiver zum Ziel führten. Ihre Studie belegt nun das Gegenteil. Ein Zitat von Chenoweth und Stephan lautet:
„Aufständische, die behaupten, dass bewaffneter Widerstand notwendig ist, liegen wahrscheinlich immer falsch. In der Tat vermuten wir, dass viele Gruppen, die die Gewalt als letzte Zuflucht beanspruchen, möglicherweise niemals strategische gewaltfreie Aktionen angewendet haben, weil sie diese von vornherein als zu schwierig beurteilten.“
Für ihre Studie 2011 untersuchten Erica Chenoweth und Maria J. Stephan alle Aufstände und Revolutionen zwischen 1900 und 2006. Seitdem sind nun fünf Jahre vergangen und die Wissenschaftlerinnen haben ein Update ihrer Forschungsergebnisse veröffentlicht. Die zentralen Erkenntnisse lauten:
Gewaltfreie Kampagnen werden zunehmend Normalität. Obwohl sie jedoch zur Normalität geworden sind, sind die absoluten Erfolgsquoten für gewaltfreien Widerstand rückläufig. Dennoch sind gewaltfreie Kampagnen noch immer erfolgreicher wie Gewalt und bewaffnete Flügel von Bewegungen wirken sich eher nachteilig für die Ziele der gewaltfreien Bewegung aus.
Literatur auf einen Blick:
Das Buch zur Studie: „Why Civil Resistance Works: The Strategic Logic of Nonviolent Conflict“ von Erica Chenoweth und Maria J. Stephan, 2011 im Verlag Columbia University Press erschienen und unter ISBN 0231156820 erhältlich.
Ausführliche Zusammenfassung der Studie 2011: Maaß, Stefan (Aug. 2012)
Leaflet zur Studie 2011: Maaß, Stefan (Okt. 2013)
Zusammenfassung der Forschungsergebnisse 2016: Maaß, Stefan (Feb. 2016)





